Stückgutverkehr

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Stückgutverkehr im Fremo -- Konzept und ein erstes Fazit aus Cloppenburg


Die Idee

Während der Wagenladungsverkehr mit Wagenkarten, Frachtzetteln und Ladegutmodellen im Fremo bereits seit langer Zeit gut funktioniert, war der Stückgutverkehr, also der Versand kleinerer Ladeeinheiten gemeinsam in Stückgutwagen, immer irgendwie ein Stiefkind. Stückgutwagen verkehrten zwar täglich zwischen Schatten- und "Lichtbahnhöfen", auch wurden mal Experimente mit Stückgutkurswagen, die in einem Plan mehrere Bahnhöfe anliefen, gemacht, aber irgendwie sprang der Funke nicht so recht über. Man schob sie halt an den Güterschuppen und zog sie irgendwann wieder ab da, und das war's dann halt. Ööööde.

Nach dem Motto des "Spielens mit Sinn" mußte also auch "Fracht" in die Stückgutwagen. Nicht so aufwendig wie beim Vorbild, wo ein Wagen Dutzende von Sendungen enthalten kann, aber irgendwie sollten die Verkehrsströme schon vereinfacht nachgestellt werden.

So entstand die Idee des Stückgutfrachtzettels. Der repräsentiert eine Viertel-Wagenladung und wird genauso beschriftet wie ein normaler Frachtzettel: Woher, wohin, und was wird transportiert?

Von diesen Stückgutfrachtzetteln bereitet jeder Stückgutabfertigungsstellenbesitzer einige pro Session vor. Mit dem eigenen Bahnhof als Ziel versehen, verteilt er sie bei den Ausgangsbahnhöfen (egal ob Licht- oder Schattenbahnhof) und bekommt natürlich (hoffentlich) auch welche von dort mit dem eigenen Bahnhof als Ausgangsbahnhof.

Wenn dann der Stückgutwagen kommt, "verlädt" er dieses Stückgut: die Zettel kommen zum Stückgutwagen-Umlaufzettel in die Frachtzetteltasche der Wagenkarte des Stückgutwagens. Aber höchstens vier Stück (wir erinnern uns: ein Zettel repräsentiert eine Viertel-Wagenladung!). Hat er mehr, muß er einen weiteren leeren G-Wagen auftreiben: entweder hat er gerade anderswo im eigenen Bahnhof einen entladen, oder er muß eben einen Leerwagen anfordern.

Die beladenen Stückgutwagen laufen dann zur zentralen Stückgut-Umladehalle. Dort werden sie entladen und die Ladungen, nun nach Zielbahnhöfen sortiert, in die ausgehenden Stückgutwagen des nächsten Tages verladen. Und wenn die dann zugestellt sind, schließt sich der Kreis: das Stückgut ist am Ziel.


Umsetzung auf dem Fremotreffen in Cloppenburg 2010

Die Stückgutumladehalle wurde durch den Schattenbahnhof Schelfsburg dargestellt und an Fritzlar angeschlossen. Alle Stückgutwagen eines Fahrplantages liefen am Ende desselben dort zusammen, so daß das Umladen und Neubilden der stückgutführenden Züge komfortabel zwischen den Sessions stattfinden konnte.

In der Praxis war das überraschend wenig Arbeit: den eingelaufenen abendlichen Stückgutzug von all seinen Wagenumlauf- und Stückgutfrachtzetteln befreien, beide nach Zielbahnhof sortieren und dann am richtigen Ende mit der Neubezettelung beginnen: Stückgutzettel zählen, durch vier teilen, entsprechend viele Wagen mit Umlaufzetteln versehen, Stückgutzettel dazu, nächster Zielbahnhof. Am Ende waren mit etwas Routine die meist deutlich über 20 Wagen zu 15 Zielen nach weniger als einer halben (Echtzeit-)Stunde ent- und wieder beladen.

Dabei war natürlich auch zu beachten, daß diejenigen Wagen, die mit dem Personenzug rausgingen, schnelllauffähig sein und über eine Dampfheizleitung verfügen mußten. Das hat auch meistens geklappt ;-)


Kritikpunkte und Verbesserungspotential

Die Stückguthalle war "am Arsch der Welt" in Fritzlar nicht optimal angebunden. An einem der größeren Bahnhöfe an der Hauptbahn wie Rothenburg oder Treudelburg, aber auch schon in Ober Roden, hätte sie dem Fahrplanmacher vermutlich weniger Kopfschmerzen bereitet. Man muß allerdings dazusagen, daß die Halle und der Stückgutverkehr erst eingeplant wurden, als das Arrangement schon weitgehend "stand".

Daß der stückgutführende Personenzug in der zweiten Session gleich mal ohne Stückgut abfuhr, haben sich alle Beteiligten (Fdl Fritzlar, Zugführer des P und Stückgutlademeister) zu gleichen Teilen ans Bein zu binden. Bemerkenswert: das Stückgut ging dann außerplanmäßig mit einem späteren Güterzug raus und erreichte zumindest teilweise noch am selben Tag sein Ziel; das Konzept erwies sich also als recht robust.

Ein bißchen schade fand ich, daß kaum jemand sich die Mühe machte, die Stückgutzettel mit Versandbahnhof (löbliche Ausnahme: Treudelburg) und Ladegut zu beschriften. Das hätte die Sache in der Stückguthalle, m.E. aber auch in den Zielbahnhöfen interessanter gemacht.

Außerdem hätte es einem Trend entgegengewirkt, den ich auf dem Treffen bewußt nicht kritisiert habe: die Verwendung der Stückguthalle als Stückgut-Schattenbahnhof. Damit meine ich, daß einige Betriebsstellenbesitzer einfach die Stückgutzettel für ihren Bahnhof in Schelfsburg abgaben statt bei anderen Schatten- oder Lichtbahnhöfen. Damit war der Stückgutverkehr mit diesen Betriebsstellen dann de facto wieder so wie früher. Nicht schlimm, aber schade, finde ich.

Wohl auch dadurch bedingt fand Stückgutverkehr mit der großen weiten Welt praktisch nicht statt. Meinerzhagen und Michelstadt, die großen Schattenbahnhöfe an den Enden der Hauptbahn, bekamen kaum mehr Stückgut als die meisten "Lichtbahnhöfe" und verschickten auch kaum was. Das mag daran gelegen haben, daß auf den Stückgutzetteln eben "Meinerzhagen" und "Michelstadt" stand und nicht "Hamburg", "Kopenhagen" oder "Neu Delhi" :-) Da muß m.E. noch mal drüber nachgedacht werden, wie man da mehr Schwung reinkriegt, ohne die Schattenbahnhöfe mit Arbeit zu überlasten.

Im Endeffekt kann es dem Schattenbahnhofspersonal ja egal sein, was als Absender drauf steht. Alle Zettel / Wagen müssen von dort zur Umladehalle, außer sie möchten die Ladungen noch nach Herkunft gruppieren oder schauen ob der virtuelle Versender nicht in einem anderen Schattenbahnhof besser aufgehoben wäre. Das sind aber Dinge, die meiner Meinung nach vernachlässigbar sind. Was man machen könnte, um die Leute animieren, fiktive Versandbahnhöfe einzutragen, wäre die Zettel nur rechtsbündig mit dem Schattenbahnhofskürzel zu beschriften. Das würde Raum lassen für eigene Eintragungen und durch den vorgedruckten Text ist er eindeutig einem Schattenbahnhof zugeordnet. Das wäre in Cloppenburg z.B. " - Mzh" und " - Mis" gewesen. Was man dann von Hand auf "Hintertupfingen - Mzh" ergänzen kann, wenn das Stückgut aus Hintertupfingen, über Meinerzhagen zum Empfänger kommen soll.

Und nicht zuletzt versäumten es einige Betriebsstellen anfangs, die Stückgutwagen zu entladen: es kamen Stückgutwagen aus A-Stadt, voll mit Stückgut für A-Stadt. Ich als dummer Stückgutlademeister hab das dann natürlich wieder brav verladen, ich kann das ja nicht unterscheiden (wegen der fehlenden Absenderangabe), und wo soll ich es auch sonst hinstellen? Das Zeug soll nach A-Stadt, also ab in den Wagen damit. So bekamen manche Bahnhöfe dann mit jeder neuen Session ein paar weitere Stückgutwagen dazu ... :-)


Mein Fazit

Es hat großen Spaß gemacht, mir und, so wie ich das sehe, auch den meisten anderen. Der Zusatzaufwand schien mir sehr überschaubar, sowohl bei der Planung und Vorbereitung (wobei ich zu Arrangement- und Fahrplanentwicklung nix sagen kann) als auch im Betrieb. Den Job als Stückgutlademeister hätte auch ein Fdl nebenbei miterledigen können, ebenso hätte ich tagsüber jede Menge Zeit zum Fahrpläne-Fahren gehabt. Hab ich nicht gemacht, weil Frokeln und Quatschen mehr Spaß gemacht hat.

Das Stimmungsbild auf meine entsprechende Frage bei der Abschlußbesprechung läßt sich mit "wohlwollendes Nicken allenthalben" umschreiben. Ich weiß, kein donnernder Applaus, aber immerhin.

Ich bin jedenfalls dafür und bereit, das gerne nochmal zu versuchen und irgendwann ins Standardrepertoire des Fremo aufzunehmen. Genau wie Expreßgut, Post, Vieh, Milch oder Rüben ist Stückgut m.E. durchaus geeignet, den Güterverkehr beim Fremo interessanter zu gestalten. Und wie wir im folgenden Abschnitt sehen werden, braucht's dafür auch gar nicht viel.


Anforderungen

Auf kleinen Treffen mit einer Handvoll Betriebsstellen fallen, logisch, auch nur eine Handvoll Stückgutwagen an. Das bißchen Mehraufwand kann ein beliebiger Schatten- oder auch Lichtbahnhof nebenbei mit "wuppen", da braucht man keine dedizierte Stückgutumladehalle für. Auf so einem kleinen Treffen könnte man dann auch mal beladene Stückgutkurswagen ausprobieren.

Auf Großtreffen macht die eigene Stückgutumladehalle schon Sinn. Sieben Gleise wie Schelfsburg muß sie nicht haben, aber genug Nutzlänge auch für 40-Achsen-Züge ist schon nicht verkehrt. Wenn ein größerer Sbf die Rolle übernimmt, könnte man überlegen, diesen dann auch gleich noch als Kühlhaus/Schlachthof, Großmarkthalle oder Treibstofflager zu nutzen -- spricht ja nix dagegen, daß die beim Vorbild nebeneinanderliegen. Und dann bekommt das Personal da auch genug zu tun ...

Außer der Stückgutumlade-Betriebsstelle, wie sie auch aussehen mag, braucht man dann an physikalischen Dingen nur noch zweierlei: die Stückgutzettel, die wir in CLP noch mit einer Open-Office-Tabelle von Hand erzeugt haben, und: Jede Menge G-Wagen! Ich möchte mich hier nochmal insbesondere beim Personal des Schattenbahnhofs Michelstadt entschuldigen, denen ich in fast jeder Sessionpause ein paar ihrer ohnehin schon knappen G-Wagen klauen mußte :-)


Wünsche fürs nächste Mal

Ich würde mir wünschen, daß mehr Leute ihre Stückgutzettel beschriften würden. Ich würde mir wünschen, daß mehr Leute G-Wagen mitbringen täten. Und ich würde mir wünschen, daß dann auch mal Dinge wie Feuergut (in O- oder R-Wagen) den Weg in unser Stückgutkonzept finden würden.

Eine weitere spannende Sache könnte auch der Versand von Stückgut aus einem Anschluss heraus sein. Hierbei belädt eine Firma ihr ausgehendes Stückgut im eigenen Ladegleis, bei hohem Aufkommen auch schon nach Richtungen in mehrere Wagen vorsortiert. Betrieblich wird dies, wie ein weiterer Stückgutschuppen behandel, d.h. wenn ich z.B. Ersatzteile für die Landwirtschaft, Schrauben oder einen Staubsauger anfordern will, so gebe ich einen Stückgutzettel bei der entsprechenden Betriebsstelle ab, wo sich der Anschluss befindet. Der Rest läuft dann, wie bei anderen Stückgutwagen, bis auf dass die Wagen vielleicht noch rechtzeitig von der Ortslok am Bahnhof bereitgestellt werden muss.

Vor allem aber würde ich mir wünschen, Stückgutverkehr im Fremo noch auf vielen anderen Treffen erleben zu dürfen. Es ist wirklich eine schöne Ergänzung unseres Betriebsspiels, finde ich.

Vorlage: Ermel 14:52, 21. Mai 2010 (UTC)

Ergänzungen: MOpp 09:39, 9. Jun. 2010 (UTC)