Simmern: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Frokelwiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
(Kategorie hinzugefügt)
Zeile 123: Zeile 123:
  
 
[[Benutzer:Balsine|Balsine]]
 
[[Benutzer:Balsine|Balsine]]
 +
 +
[[Kategorie:Güter- und Rangierbahnhöfe]]

Version vom 25. März 2010, 23:06 Uhr

Zurück zur Übersicht Rangierbahnhöfe

Gleisplan 1964

Simmern liegt mitten auf dem Hunsrück und war über 4 Nebenbahnen erreichbar. Von Osten nach Westen (in der Skizze ist Norden unten) führte Deutschlands längste Nebenbahn von Langenlonsheim (bei Bingen) über Simmern und Hermeskeil nach Trier. Für die Personenzüge waren die Bahnsteiggleise 1 und 2 vorgesehen. Nach Norden bestand Anschluß nach Boppard am Rhein, für Personenzüge war Gleis 1a mit dem Umlaufgleis 18 vorhanden. Diese Strecke hatte im Güterverkehr nur lokale Bedeutung, weil der Steilstreckenabschnitt Boppard - Buchholz durchgehende Güterzüge zu aufwendig machte. Nach Süden fuhren von Gleis 3 die Personenzüge auf der Stichbahn nach Gemünden (Hunsrück). Die Loks dieser Züge konnten bequem durch Gleis 7 umlaufen. Damit war aber schon 1964 Schluß, die Strecke wurde gleich abgebaut. Es gab aber Fahrstraßen von allen Strecken in alle mögliche Gleise und auch alle Ausfahrten waren möglich, so daß Zugübergänge möglich waren.

Wegen der Steilstrecke Boppard-Buchholz wurden die Bahnhöfe zwischen Simmern und Buchholz (einschl) über Simmern bedient. Für die Leitungswege der Güterwagen ist Simmern doppelter Anschlußbahnhof. Die Nahgüterzüge von Bingerbrück fuhren über Langenlonsheim und bedienten alle Unterwegsbahnhöfe; desgleichen kamen Nahgüterzüge von Ehrang über Trier und Hermeskeil nach Simmern. Alle Züge wurden hier aufgelöst bzw. neu gebildet. Simmern war Nahgüterzugknoten. Für durchgehende Güterzüge gab es kein Bedürnis. Denn die Leitungswege sahen vor, daß Güterwagen so lange wie möglich auf Hauptbahnen befördert wurden - Wagen von z. B. Trier nach Stromberg, das liegt kurz vor Langenlonsheim, liefen über Koblenz - Bingerbrück. Auch wenn das kilometermäßig ein Umweg war, ging auf den gut ausgebauten Hauptbahnen entlang Mosel und Rhein doch viel schneller und billiger als durch den Hunsrück. Trotzdem sicherte die Stichbedienung nach Gemünden und Buchholz dem Bahnhof ein stattliches Aufkommen an umzustellenden Wagen.

Deshalb die umfangreichen Rangieranlagen. Ein Bahnbetriebswerk durfte natürlich auch nicht fehlen: Das Bw Simmern beheimatete typische Nebenbahn-Tfz, Baureihen 56.2, 57.10 und 93.5, ab 1952 Vt 95, ab 1955 Vt 98 und ab 1962 ersetzten V 100 die letzten Damplok, so daß die Dampflokunterhaltung 1964 eingestellt wurde. Mit Stillegung des Schienenpersonenverkehrs 1983 zogen Bahnbusse ein, wofür die Fläche zwischen 16.1 m Drehscheibe und achtständigem Lokschuppen geteert wurde. Das Bw lag gegenüber den hier abfallenden Streckengleisen etwas erhöht, die Drehscheibe war wie ein Schwalbennest von einer Stützmauer abgefangen.

                            
                                 _______15___
                                / ......14...\   [Sr]
                               / _______13___ \     ____28__
              _<<<_<<_7_>>>___/ / ______12__ \|    /
             /_.______6___._ \_/ / _____11__\_\___/           Loksch
            /______<<_5_>>__\_\_/_/_____10_____/ / _<<<_26__ 9 Stände
Gemünden   /_______<<_4_>>_____X \_______9____/ /_/_>>>_25__\ 
_<_>______/_________<_3_>_____/ \ [Sw]\__8___/ /_>>>_ Kohlen 0
_<_>_____/______  Bahnsteig _____\..._________/      \__24__/  DS 16,1 m 
Langen-  [Sf] \ \___<_2_>__/ _____\_/___________
lonsheim       \____<_1 _>__/  ____X___________ \       Hermeskeil
                  Bahnsteig   / __/__19a_      \ \____________<_>_  
                 EG _<_1a_>__/ / /              \_____________<_>_
                     \_18_>>>_/ /|                         Boppard
                     ____19__/ / | _22a_
                      Gs  _20_/ /|/
                     Ldstr _21_/ /
                     ____22_____/
                     ____23____/
                      Rampe

Die Ortsgüteranlagen hatten den Güterverkehr einer Kreisstadt mit großen Hinterland zu verarbeiten. Stückgutschuppen an Gleis 19, davor noch ein Schuppen der landwirtschaftlichen Genossenschaft, Ladestraße zwischen Gleis 20 und 22 in eine Koprframpe am Gleis 21 auslaufend und noch eine lange Seitenrampe an Gleis 22. An der Engstelle zwischen Gleis 22/23 und 22a stand ein Kohlenschuppen und es gab dort eine Benzinzapfstelle, wo Kesselwagen an eine Richtung Stadt führende Leitung angeschlossen werden konnten. Am Streckengleis nach Langenlonsheim bestand die Anschlußstelle des Fernmeldezeugamts (FZA) Simmern der Deutschen Bundespost.

Nahgüterzugknoten

Das Rangieren mag nun folgendermaßen vor sich gegangen sein.

  • Abräumen der Ladegleise in der Ortsgüteranlage durch die Rangierlok, Zerlegen der Abholung bei Stellwerk Sr.
  • Einfahrt der Ng nach vorzugsweise nach 4 oder 5, notfalls auch nach 3 und 2. Einrücken der Streckenlok ggf. über Gleis 7 in die Behandlungsgleise 24 oder 25 des Bw.
  • Die Rangierlok zieht Zugteile - das Ziehgleis 28 war nur 127 m lang - am Stellwerk Sw vorbei zum Rangierstellwerk Sr. Wir wissen nicht, ob es einen Ablaufberg gab, es ist aber anzunehmen. Von dort wurden die Wagen in die siebengleisige Rangiergruppe 8-15 verteilt.
  • Zur Beschleunigung des Rangierens könnte man auch aus den Gleisen 3-5 über Stellwerk Sw nach 8-15 abstoßen.
  • Bei der Zugzusammenstellung können bequem zwei Lok arbeiten. Eine rangiert bei Sr und schiebt die Wagen über Sw nach 3-5, die andere arbeitet bei Sw und zieht die Wagen nach 3-5 oder 7. Sollen Güterzüge in alle 4 Richtungen gleichzeitig fertiggestellt werden, so müssen die Züge nach Hermeskeil und Boppard in 4 bzw. 5 bereitgestellt werden; die nach Gemünden und Langenlonsheim können in den langen Gleisen 13 und 14 aufgestellt werden und unmittelbar vor der Ausfahrt durch Gleis 7 vorziehen, wo bei Stellwerk Sf signalmäßig ausgefahren wird.
  • Die örtliche Rangierlok bedient anschließend die Ortsgüteranlage, wozu die das kurze Ziehgleis 19a benutzt. Das Lademaß steht in Gleis 20, die Gleiswaage ist aber in Gleis 8 in der Rangiergruppe, um auch Wagen fremder Bahnhöfe beim Rangieren noch verwiegen zu können. Viele der kleinen Bahnhöfe in der Umgebung Simmern verfügten über keine eigene Gleiswaage.

Die 7 Rangiergleise erlauben verschiedene Zugbildungsverfahren. Klassisches Verfahren wäre etwa: 4 Gleise für Unterwegsbahnhöfe, 2 Gleise für die starken Gruppen Bingerbrück und Ehrang. Ortwagen müßten zunächst mit in eines der Gleise für Unterwegsbahnhöfe laufen und im 2. Gang ausrangiert werden, denn das Wiegegleis 8 wird erstmal tatsächlich für zu verwiegende Wagen gebraucht.

1. Rangiergang

  • 8 Waage
  • 9 Stationen bis Buchholz (einschl)
  • 10 Stationen bis Bingerbrück (ausschl)
  • 10 Stationen bis Ehrang (ausschl)
  • 12 Ehrang Ort und Übergang
  • 13 Bingerbrück Ort und Übergang
  • 15 Stationen bis Gemünden, Ortswagen, Leerwagen, Schadwagen

Gleis 8 wiegen und ausrangieren.

2. Rangiergang

  • Rangierlok bildet zuerst Zug nach Ehrang, der hat die längste Strecke zu bedienen. Gruppe Ehrang Ort und Ü von 12 nach 4 durchschieben.
  • Stationen bis Ehrang aus Gleis 10 nachordnen und nach 4 durchdrücken. Der entstehende Zug führt damit Ehrang Ort und Übergang am Schluß.
  • Stationen bis Boppard nachordnen und fertigen Zug nach 5 durchdrücken.
  • Zuglok nach Bingerbrück ordnet Stationen bis Bingerbrück über Stellwerk Sw nach und stellt Zug auf Gleis 7 zusammen.
  • Rangierlok zieht Gleis rangiert Gleis 15 aus, ordnet den Zug nach Gemünden stationsweise und stellt ihn in 15 bereit.
  • Ortswagen werden ggf. in einem dritten Gang nach Ladestellen getrennt: Ladestraße, Seitenrampe, Kopframpe, Dienstkohlen, Anschluß FZA, Leerwagen.

Modellversion

Könnte es einen besseres Vorbild für einen Nebenbahnknoten im FREMO geben? Bei Nutzlängen von 362, 321 und 237 m in en Gleisen 3, 4 und 5 ist der gesamte Bahnhof zwischen den Einfahrsignalen nur km 37,120 - km 38,350 m = 1230 m lang, das entspricht maßstäblich 14 m in H0. Ein Bickburg zwar, aber viel wendiger!

Grundsätzliche Probleme bei der Modellumsetzung bereitet nur die extreme Breite im Bereich der Ortsgüteranlage, die 100 cm breite Module bis zum Rand ausfüllt, und vielleicht die Anzahl von 8 Kreuzungsweichen.

Zwei Änderungen habe ich vorgenommern, die durch Radierungen im Originalplan motiviert sind:

  • Wiederaufbau des Gleises 14, damit umfaßt die Rangiergruppe 8 Gleise
  • Verbindung zwischen Gleis 2 und der Bw-Zufahrt, um auch während Einfahrten von Hermeskeil nach Gleis 1 noch rangieren zu können (+ 1 DKW)
                            
                                 _______15___
                                / ______14__ \   [Sr]
                               / /______13__\ \     ____28__
              _<<<_<<_7_>>>___/ / ______12__ \|    /
             /_.______6___._ \_/ / _____11__\_\___/           Loksch
            /______<<_5_>>__\_\_/_/_____10_____/ / _<<<_26__ 9 Stände
Gemünden   /_______<<_4_>>_____X \_______9____/ /_/_>>>_25__\ 
_<_>______/_________<_3_>_____/ \ [Sw]\__8___/ /_>>>_ Kohlen 0
_<_>_____/______  Bahnsteig _____\____________/      \__24__/  DS 16,1 m 
Langen-  [Sf] \ \___<_2_>__/ _____\_/___________
lonsheim       \____<_1 _>__/  ____X___________ \       Hermeskeil
                  Bahnsteig   / __/__19a_      \ \____________<_>_  
                 EG _<_1a_>__/ / /              \_____________<_>_
                     \_18_>>>_/ /|                         Boppard
                     ____19__/ / | _22a_
                      Gs  _20_/ /|/
                     Ldstr _21_/ /
                     ____22_____/
                     ____23____/
                      Rampe

Weitere Informationen

Maßstäblicher Gleisplan und Bilder, Angaben zum Bw Simmern
Linkseite zu umliegenden Strecken

Foto bei Stellwerk Sf

Eisenbahnfreunde Simmern
Strecke Simmern - Gemünden

Die 93.5 beim Bw Simmern
Fotos von Lok 211 251-4 Bw Simmern
auch als V 100 1251 Bw Simmern
Schienenbus-Sonderfahrt
93 931 im Bw Simmern 1964
93 567 des Bw Simmern um 1959

Wikipedia-Eintrag zur Stadt Simmern

Balsine