Kritisches

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Immer wieder liest man von "überkritischen" und "unterkritischen Laufwerken", meist bei zweiachsigen Güterwagen. Was bedeuten diese Begriffe?

Nun, das Laufverhalten eines Wagens erreicht bei einer gewissen Geschwindigkeit einen kritischen Punkt, an dem der normale Sinuslauf im Gleis sich immer mehr aufschaukelt, bis Entgleisung droht. Diese Gefahr ist umso höher, je höher diese kritische Geschwindigkeit liegt.

Unterkritische Laufwerke sind nun so ausgelegt, daß der Wagen bei seiner zulässigen Höchstgeschwindigkeit diese kritische Geschwindigkeit noch nicht erreicht hat. Solche Wagen erkennt man daran, daß, je schneller sie laufen dürfen, sie desto mehr Achsstand haben -- im Extremfall, bei Wagen aus den 30er Jahren, sitzen die äußeren Federböcke fast unter den Pufferbohlen.

Ende der 40er Jahre ging man dann zunächst versuchsweise den umgekehrten Weg: viel weniger Achsstand, verwindungsweichere Konstruktion und damit eine viel geringere kritische Geschwindigkeit (etwa 40 km/h, wenn ich korrekt informiert bin). Das ist so wenig, daß auch dann nix Schlimmes passiert, wenn man tatsächlich mal die kritische Geschwindigkeit fährt; fährt man aber schneller als diese, und das ist der Regelfall, dann "liegt" der Wagen mit zunehmendem Tempo immer besser, zumindest bei güterzugmäßigen Geschwindigkeiten.

Das hat sich so gut bewährt, daß alle serienmäßigen Neubauwagen der DB überkritisch ausgelegt wurden.

Weitere Vorteile der überkritischen Auslegung: Die geringeren Achsstände verbessern die Bogenläufigkeit gerade in engen Anschlüssen; man braucht keine so großen Wagendrehscheiben u.ä.; man spart durch die verwindungsweichere Bauweise Material und damit Gewicht.

Die letzten unterkritisch ausgelegten Wagen sind spätestens in den 90er Jahren aus dem allgemeinen Verkehr verschwunden.