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Auf dieser Seite möchte ich einmal einige Dinge sammeln, wie man als Modellbahner seiner Anlage mit geringem Aufwand einen wesentlich vorbildgerechteren Eindruck verschaffen kann. Hierbei geht es explizit nicht um irgendwelche Nietenzählerei, sondern um das, was auf den ersten Blick eine Spielbahn von einem "Modell der Wirklichkeit" unterscheidet.

Entwurf

Begriffe

Vorab der wichtigste Satz (weil man da immer wieder falsche Worte hört, die richtigen aber für das Verständnis des folgenden wichtig sind):

Bei der Bahn ziehen Lokomotiven vielen Wagen über Gleise, welche aus zwei Schienen und Schwellen bestehen. Die Richtung ändern Weichen; überwacht wird das ganze über Signale. Von Triebwagen redet man, wenn ein angetriebenes Fahrzeug selbst Passagiere oder (selten) Fracht transportieren kann. Alles, was angetrieben ist, wird dabei unter "Triebfahrzeuge" summiert.

Epochen

Die Modellbahn-Industrie hat sich angewöhnt, ihre Produkte in "Epochen" einzuteilen; also Zeiträume, aus denen diese entstammen sollen – nicht nur, dass so manche Einordnung dabei schlicht falsch ist, auch ignoriert dieses System sowohl weiche Übergänge einerseits wie auch harte Übergänge zwischendurch andererseits. So muss man zumindest das Jahr 1956 als eine weitere harte Grenze einfügen, denn die Klassenreform, bei der die bisherige dritte Klasse der Reisezugwagen zur zweiten Klasse wurde und die zweite der (bisher kaum existenten) ersten Klasse hinzugefügt wurde, wurde binnen maximal weniger Tage umgesetzt; übrigens bei diversen Bahngesellschaften Europas zugleich.

Die weiteren Übergänge, bei denen es wiederum stets um Änderungen der Beschriftung geht, wurden bei Triebfahrzeugen und Reisezugwagen relativ schnell umgesetzt, während bei Güterwagen durchaus noch 10 Jahre später vereinzelte vergessene Exemplare die alten Anschriften trugen. Lackierungen haben dagegen nichts mit den Epochen zu tun; es haben durchaus einige (wenige) Reisezugwagen in dem Flaschengrün der "Epoche IIIa" bis in die Epoche V überlebt – nur eben zweimal neue Anschriften bekommen.

Übergang Epoche 2/3

Der Übergang der Epoche 2 zur Epoche 3 wird von der Modellbahn-Industrie bisher weitgehend vernachlässigt. In der Besatzungszeit hatte sich die Anschrift "DR Brit.-US-Zone" an den Fahrzeugen etabliert, welche durchaus bis Mitte der 1950er erhalten blieb. Die allgemein der Epoche III zugeordneten Güterwagen-Anschriften der Form "Gmhs 30" wurden zudem erst 1954 eingeführt; davor gab es noch die Version der Epoche II mit "Oppeln Gmhs".

Übergang Epoche 3/4

Der Übergang von der "Epoche 3" zur "Epoche 4" stellt wohl den markantesten Übergang dar, wobei dieser bei Reisezugwagen 1964 erfolgte, bei Triebfahrzeugen aber erst 1968. Bei Güterwagen fängt er 1964 an und dauerte dann durchaus bis in die 1970er.

Triebfahrzeugen bekommen nunmehr ein neues Nummernschema von immer drei Stellen für die Baureihe, drei für die Ordnungsnummer und einer Prüfziffer. Bei Dampfloks der Baureihe 50 laufen die Ordnungsnummern über, so dass man die letzte Stelle der Baureihe variiert – 050, 051, 052 und sogar 053 sind so das gleiche.

Bei Reisezugwagen hat die neue Nummer nunmehr zwölf Stellen: AA BB CC CC CCC-D. "AA" ist dabei eine Aussage über die internationale Eignung, "BB" in Deutschland immer "80", "CC CC CCC" die eigentliche Wagennummer und "D" die Prüfziffer. Außerdem wandern die Anschriften von einem Feld zwischen den Fenstern unter das DB-Logo in der unteren Wagenmitte. Die Gattungsbezeichnungen ändern sich nur wenig, die alte dem Baujahr entsprechende Bauart-Nummer wird jedoch durch eine eindeutige dreistellige Nummer ersetzt.

Bei Güterwagen passiert grundsätzlich das gleiche – auch hier hat die neue Nummer zwölf Stellen und folgt der Form AA BB CCC C CCC-D, wobei die ersten 3-4 Stellen der Wagennummer zugleich eine Bauart-Kennung darstellen (die DR nutzt diese später sogar direkt als Bauart-Nummer). Die Gattungsbezeichnungen ändern sich völlig und auch hier vergibt die DB insgesamt eindeutige dreistellige Nummern (die alten Nummern waren hier wie bei den Reisezugwagen zweistellig, orientierten sich aber nur sehr lose am Baujahr). Dabei gibt es anfangs auch Übergangsbeschriftungen, von denen insbesondere die Version mit nachgestellter alter Gattung ("E 017 Omm") durchaus lange Zeit überlebte.

Übergang Epoche 4/5

Der Übergang der Epoche IV zur Epoche V macht sich nur durch das neue DB-Logo und an DR-Fahrzeugen durch die Änderung von "50 DR" in "80 DB" bemerkbar. Dabei bekommen Loks und Reisezugwagen das neue Logo binnen weniger Tage; bei Güterwagen ist dies teilweise auch fast 20 Jahre später noch nicht erfolgt.

Übergang Epoche 5/6

Die Epoche 6 wiederum ist durch einige Änderungen an den Fahrzeugnummern entstanden. Für alle Fahrzeuge wird aus "80 DB" nunmehr "80 D-DB" und bei Fahrzeugen privater Einsteller gibt es statt eines "[P]" hinter der Wagennummer etwa "80 D-OHE" (für einen Wagen der OHE). Bei DB-Fahrzeugen wurde diese Änderung nicht selten nur buchmäßig vorgenommen.

Bei Triebfahrzeugen gibt es zudem jetzt ähnliche lange Nummern wie schon seit der Epoche 4 für andere Fahrzeuge; das Schema ist hier AA BB CCCC CCC-D, wobei "AA" diesmal die Art des Fahrzeuges (Diesellok, Elektrolok, Triebwagen...) bezeichnet. Die erste Stelle der nunmehr 7-stelligen eigentlichen Betriebsnummer wurde dabei so gewählt, dass die Prüfziffer der alten und der neuen Version identisch ist. Der Eifer, dies tatsächlich an den Fahrzeugen anzuschreiben, hielt sich anfangs allerdings insbesondere bei der DB stark in Grenzen. Inzwischen ist zumindest irgendwo am Rahmen meist die lange Nummer zu finden.

Fahrzeugverhältnis

Viele Modellbahner haben viel zu viele Triebfahrzeuge aus viel zu vielen verschiedenen Baureihen!

In den 1960ern hatte die Deutsche Bundesbahn gerade einmal etwa 12.000 Triebfahrzeuge bei knapp 20.000 Reisezugwagen und etwa 280.000 eigenen sowie 50.000 bei ihr eingestellten privaten Güterwagen – auf ein Triebfahrzeug kommen also 29 Wagen, die übrigens nicht nur an diesen hängen, sondern auch in großer Zahl auf Gleisanschlüssen herumstehen.

Zudem sind an einem Ort oftmals nur wenige Baureihen in vergleichsweise großer Zahl im Einsatz – ein Bahnbetriebswerk, in dem 30 Triebfahrzeuge aus 5 Baureihen zu Hause sind, ist absolut normal; mehrere Einzelstücke an einem Ort sogar extrem ungewöhnlich. Zudem sollte man bedenken, dass viele Triebfahrzeuge nur in ganz bestimmten Gegenden zu Hause waren – Länderbahn-Baureihen blieben beispielsweise bis zuletzt überwiegend in ihrem ursprünglichen Gebiet, so dass eine preußische Baureihe in Bayern mindestens selten ist.

Zugziel

Ein realer Zug bringt Personen oder eine Fracht (bei einer Überführung ist er dabei selbst die Fracht) von einem Ort zum anderen – dieser eigentlich triviale Satz wird von vielen Modellbahn-Anlagen (gerade den Vorschlägen der Hersteller) nicht berücksichtigt. Eine Anlage, auf der man tatsächlich zwei "Orte" hat, wirkt dabei deutlich realistischer und bietet auch wesentlich mehr Spielwert, als einfach nur "von A über A und A nach A" (also "immer im Kreis rum"). Das einfachste Heilmittel ist ein verdecktes Abstellgleis ("Schattenbahnhof"), welcher betrieblich die "weite Welt" darstellt – oder ein Werksanschluss irgendwo in der Pampa, wo eine Rangierlok den vor Ort abgestellten Güterwagen hin verfrachtet, während der eigentliche Zug schon weitergefahren ist.