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Roco-Motorhauben.  Es ist prachtvoll!
 
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Kaufen kann man das Zeug bei Modulor oder seit kurzem auch bei Modellbahn-Schuhmann.  Aber es gibt auch sehr
 
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Version vom 1. März 2014, 11:41 Uhr

Empfehlenswertes aus der Giftküche

oder: Chemie macht das Leben leichter

Hier will ich mal ein paar Mittelchen vorstellen, die nicht jeder kennt (oder zumindest nicht in dieser Anwendung) und die das Leben leichter, schöner, sicherer machen können. Aber Vorsicht: einige davon sind nicht unbedingt gesundheitsfördernd. Ich gehe davon aus, daß Ihr die Verarbeitungshinweise der Hersteller beachtet, den gesunden Menschenverstand eingeschaltet laßt und so sorgfältig damit umgeht, daß niemand zu Schaden kommt. Eine Haftung meinerseits bei Schäden ist natürlich ausgeschlossen!


Lötstellen zum Aufpinseln: Lötpaste

Nicht jedem ist's gegeben, mit Zinn und Kolben gute Lötstellen zu machen. Für solche Leute wie mich gibt es aber ein Mittel, das einem die Arbeit fast abnimmt: die sogenannte Lötpaste.

Gelesen hatte ich das schon öfter, aber meine Versuche mit dem bei Conrad unter diesem Namen erstandenen Pampf (das wohl eher für Dachdecker gedacht zu sein schien) waren erschütternd erfolglos. Geändert hat sich das erst mit der "Weichlöt- und Verzinnungspaste" der Fa. Felder GmbH (Bezugsquelle: Modulor).

Damit ist das Löten von Rangierertritten eine wahre Freude: auf oxidiertes Kupferblech pinseln, fettigen Messingdraht drauflegen, Lötkolben dranhalten -- *zisch* (Dämpfe nicht einatmen!), perfekte Lötstelle.

Elektronik würde ich damit aber nicht löten wollen. Wer weiß, was das offenbar sehr aggressive Flußmittel da drin alles wegätzt. Einen Rangierertritt kann man ja vor dem Lackieren problemlos in warmem Seifenwasser baden, bei Digitaldecodern wär ich da vorsichtiger.


Plastikkleber war gestern

Das, was die Häuschenhersteller uns als Plastikkleber andrehen, ist mit Bindemitteln versetztes Lösungsmittel (meist Essigsäureester). Bei dem Tubenzeug mehr, beim Flüssigkleber weniger Bindemittel, aber deren Nachteile bleiben bei beiden gleich: sie hinterlassen nach dem Trocknen glänzende, erhabene Flatschen auf dem Plastik, wo sie übergequollen sind.

Einen Vorteil haben die Bindemittel indes natürlich auch: sie überbrücken kleinere Lücken zwischen den zu verklebenden Teilen. Aber meistens müssen sie das mangels Lücken gar nicht.

Ätherische Öle

Viele ätherische Öle lösen Polystyrol an. Es gibt auch von Microscale Industries einen Klebstoff, der nur aus ätherischen (vorwiegend von Zitrusfrüchten) Ölen besteht. Dieser funktioniert sehr gut, wenn es einem nichts ausmacht, dass danach alles nach Orange riecht.

Abraten kann ich von Nelkenöl. Das braucht Stunden, bis es einigermaßen wirkt, Tage bis es fest wird und stinkt danach Monate pervers nach Nelken.

Dichlormethan

Und hier kommt Dichlormethan (CH2Cl2) ins Spiel. Das ist ein reines Lösungsmittel der entschieden fieseren Sorte (und rettet übrigens auch verloren geglaubte eingetrocknete Pinsel). Vor allem aber klebt es Plastik wie die Seuche: Polystyrol (PS), Acryl/Plexiglas, Polycarbonat und PET (Colaflaschenplaste), ja sogar ABS (Brekinaautoplaste), von dem ich immer gedacht habe, das könne man nicht kleben. Klar kann man. Sogar Brekina-Fahrerkabinen an Roco-Motorhauben. Es ist prachtvoll!

Kaufen kann man das Zeug bei Modulor oder seit kurzem auch bei Modellbahn-Schuhmann. Aber es gibt auch sehr viel günstigere Bezugsquellen, den Chemikalienhandel etwa. Da muß man mitunter etwas stöbern oder jemanden mit Gewerbeschein kennen, aber dafür hat man dann auch für ein paar kleine Scheine einen Lebensvorrat -- den man aber gut verschlossen wegstellen sollte, das Zeug diffundiert auch durch Medikamentenflaschendeckel, wenn auch langsam, durch und fördert sicher nicht eben die Gesundheit des Einatmenden.

Die Verarbeitung ist die helle Freude: Teile aneinanderdrücken, einen Tropfen des Teufelszeugs mit dem Pinsel draufgeben und begeistert zusehen, wie es sich denkt: Hey, da ist ja ein Versteck, nix wie weg hier! Schneller als man kucken kann ist es im Spalt verschwunden, und ein paar Sekunden später kann man auch schon loslassen: die Teile halten zusammen. Nach einigen Stunden ist die Verklebung dann so stabil, daß beim brutalen Auseinanderreißen nicht die Klebestelle, sondern das Plastik daneben nachgibt.

Aber Vorsicht: das Zeug ist echt aggressiv. Zwar hinterläßt es selber außer einem hauchzarten Glanzschleier keine Spuren, wenn es weggetrocknet ist -- aber Narben im Plastik hinterläßt es durchaus: weggeätzte Nietköpfe, zugelaufene Bretterfugen und dergleichen mehr. Also immer schön sparsam auftragen (lieber einmal öfter) und wenn möglich von der Rückseite!

Und wegatmen und nicht auf die Finger schmieren, das Zeug wird auch gut über die Haut aufgenommen. Gut lüften. Aber ich erwähnte es schon. Von dem bißchen, was wir so damit tun, bekommen wir vermutlich keinen Lungenkrebs, aber man muß es ja nicht unbedingt drauf anlegen...

Wenigstens ist es sehr schlecht brennbar, als einziges Lösungsmittel dieser Aufzählung.

Essigsäureester

Man sagt, Essigsester sei ähnlich wirkungsvoll, aber weniger tödlich. Essigsäureester ist einfach aus Ethanol und Essigsäure hergestellt. Daher kann das Zeug auch in Wein enthalten sein, wenn beim Gären Luft rein gekommen ist. Dann schmeckt der Wein nach Klebstoff - also furchtbar. Erfahrungen damit habe ich aber nicht.

Methyl-Ethyl-Keton

Bekommt man meist nicht so einfach, ich habe es bisher nur bei Jophispoor auf Fremo-Treffen gesehen. Johipoor verkauft es in Kunststofffläschchen, durch die es aber dummerweise diffundiert. Drum konnte ich es auch nicht so wirklich testen, weil es durch die geschlossene Flasche geflüchtet ist. Theoretisch soll man damit auch viele Kunststoffe (auch PVC) kleben können.

Nitroverdünner

Zumindest der Nitroverdünner von Kluthe und der Verdünner von Weinert bestehen zu einem großen Teil aus Xylol, welches Polystyrol sehr gut anlöst. Kluthe bewirbt seinen Verdünner auch explizit zum Verkleben von Plexiglas und Polystyrol. Die Klebewirkung ist zumindest bei Polystyrol sehr brauchbar, ich habe damit einige Bausätze gebaut.

Tetrahydrofuran

THF ist auch eines der schärferen Lösungsmittel. THF löst ziemlich viele Kunststoffe an, u.a. Polystyrol, Polyurethan und PVC. An Polystyrol ist die Wirkung ähnlich wie bei Dichlormethan Ich verwende zum Kleben von PVC praktisch nur THF.

Bei THF gibt es zwei Haupt-Gefahren:

1. THF ist sehr brennbar. Also kleckert nicht unnötig rum, lüftet gut und haltet alle Zündquellen fern. Dazu gehört auch der Lötkolben!
2. THF mag keine Sonne. Durch Licht können sich Peroxide bilden, die alle nicht gerade stabil sind. Also größere Behälter immer dunkel lagern, wenn sie nicht eh schon aus Blech sind. Kleine Glasfläschchen macht man am besten vor dem Nachfüllen komplett leer.

Flüssige Fenster: Humbrol Clearfix

Eigentlich mehr aus Neugierde hab ich neulich beim Händler ein Gläschen "Humbrol Clearfix" erstanden. Das Etikett sagt: "Zur Anwendung als Klebstoff auf klaren Kunststoffteilen und zur Herstellung von kleinen Fenstern in Flugzeugen. [Dazu] einen kleinen Tropfen Clearfix entlang der Fensterkante verteilen, dann Clearfix darüberziehen, bis sich eine dünne Membran bildet."

Das geht doch bestimmt auch mit Bremserhausfenstern, dachte ich mir. Und siehe da: es geht.

Bloß zuviel sollte man nicht nehmen, sonst bildet sich keine spiegelglatte Membran, sondern eben ein dicker Klumpen. Das hat man aber schnell im Griff. Und der Effekt ist wirklich beeindruckend: vermutlich ist sogar die Dicke meiner Bremserhausfensterscheiben maßstäblich ;-)

Wenn's danebengeht: auch nicht schlimm, solange das Zeug noch nicht trocken ist, kann man es ähnlich wie Fotokleber einfach abrubbeln.


Drum prüfe, wer sich ewig bindet: Marabu Fixogum

Fotokleber ist ein gutes Stichwort. Im gutsortierten Schreibwarenhandel gibt's den zu kaufen, in knallgrünen Tuben. Von der Konsistenz etwa wie Uhu-Alleskleber, klebt das Zeug nicht nur, wie auf der Packung beschrieben, biegsame Materialien, sondern eigentlich fast alles, auch Preiserfiguren auf Bahnsteige oder Modellautos auf Autotransportwagen. Das Schöne ist aber, daß man diese Verklebung nicht nur wieder lösen kann, sondern daß sich der Kleber von praktisch allen Materialien wieder rückstandsfrei abrubbeln läßt -- auch nach Jahren noch.

Damit ist Fixogum prädestiniert für nicht allzu stark belastete Verklebungen, die irgendwann mal wieder gelöst werden sollen. Wenn man ihn erstmal da hat, findet sich alle Naselang eine Anwendung dafür; Figuren, Fahrzeuge und Ladegut sind erst der Anfang. Auch Bastelbögen auf PS-Platten oder Ballastgewichte in Güterwagen hab ich damit schon geklebt.


Matt -- oder richtig matt: Humbrol Matt Cote

In den gleichen hübschen würfelförmigen Glasfläschchen wie Clearfix liefert Humbrol auch einen Mattlack mit dem irritierend niedlich falschgeschriebenen Namen "Matt Cote". Vermutlich kann man "matte coat" nicht als Warenzeichen schützen.

Optisch irritiert die Brühe auch, denn sie ist im Lieferzustand oben klar und unten weiß. Wenn man sie schüttelt, wird sie einfarbig milchig-trüb. Und das soll ich auf meine Güterwagen pinseln?

An einem Schrott-Teil ausprobiert, legt sich die Skepsis: das Zeug ist matt. Richtig matt. Extrem stumpfmatt. So matt, daß der Farbton darunter heller, fast verblichen aussieht. Toll.


Wunderheiler: Sekundenkleber gegen Schnittwunden

Man soll ja nicht besoffen frokeln. Klar, es macht Spaß, aber die Ergebnisse lassen Optimierungspotential erkennen. Vor allem aber ist's gefährlich: ratzfatz steckt das Skalpell im Finger.

So geschehen vor einiger Zeit im "Wagen-AW Braunschweig-Westring", an meinem Basteltisch also. Samstag-Nachts um halb drölf. Kein Pflaster im Haus (böser Fehler! Tip: Neue Auto-Apotheke kaufen, alte neben den Basteltisch legen!), kein Arzt hat offen, und deswegen ins Krankenhaus? Ich? Ich doch nicht.

Und dann fiel mir der Spruch auf dem Sekundenkleber ein: "Gefahr! Klebt innerhalb von Sekunden Haut und Augenlider zusammen." Gedacht, getan: eine dicke Raupe Sekundenkleber (Pattex Blitz-Kleber gel) über die noch nicht blutende Wunde ziehen, zwischen Daumen und Finger verreiben, schnell auseinander kurz bevor die Finger zusammenkleben. Kucken. Wunde ist zu, trocken und nicht von einem Sekundenkleberfleck auf dem Finger (oder eben dem gerade erzeugten auf dem Daumen ;-) zu unterscheiden.

Ein paar Minuten später kam dann ein leicht pochender Schmerz, aber lange nicht so schlimm wie der einer normal behandelten (oder ignorierten) solchen Wunde. Am nächsten Tag war der vergangen.

Und ein paar Tage später fiel der Kleber bröckchenweise ab, wie es Sekundenkleber am Finger sonst auch tut. Zum Vorschein kam eine kaum noch sichtbare, sauber verheilte Wunde.

Ein freundlicher Mensch in einer Medizin-Newsgroup schrieb mir auf meine Nachfrage, man könne das an sich selber durchaus so machen -- Cyanacrylat sei auch in der Medizin als Wundkleber gebräuchlich, nur habe Pattex dafür natürlich keine Zulassung und sei deswegen vom Arzt nicht zu verwenden. Das und mehrere weitere solcher positiven Erfahrungen meiner selbst, besoffen wie nüchtern, bestärken mich in meiner Ansicht, die Idee sei so schlecht nicht. Zumindest ist die Verschmutzungsgefahr gebannt, und man kann die Wunde nicht durch Druck aufklaffen lassen, was ja erfahrungsgemäß erst richtig wehtut und die Heilung nicht eben fördert.

Aber: Nachmachen auf eigene Gefahr! Ich weise jede Verantwortung weit von mir.


Olfaktorisch altern: Karbolineum

Dieser Tip kommt von Paul Hartman. Karbolineum, ein nicht zu Unrecht verrufenes und verbotenes Holzschutzmittel, eignet sich ganz hervorragend zum Nachbilden des dunklen Ölschmiers auf Dampflok-Gestängen. Klar, mit einem Gemisch aus Klarlack und braunschwarzer Farbe geht das auch, aber Karbolineum hat drei Vorteile: erstens löst es keinen Kunststoff an, zweitens härtet es nicht ganz aus und läßt sich deswegen mit Verdünnung wieder entfernen, wenn man was verklebt hat damit, und drittens riecht es nach Eisenbahn!

Klar, eigentlich riecht es nach Schwelle und nicht nach Dampflok, und es ist sicher Geschmackssache -- aber ich finde das gut.

Den naheliegenden gesundheitlichen Aspekt dieses Tips sollte man m.E. nicht überbewerten. Klar ist die Brühe krebserregend -- aber wir verarbeiten sie ja nicht wie damals (noch 1990 im Zivildienst mußte ich damit einen Zaun streichen, Nasenbluten und Kopfweh inclusive!) literweise, sondern eher tröpfchenweise. Das Verhältnis zwischen Krebsrisiko und olfaktorischem Genuß ist bei einer Zigarette sicher schlechter.  ;-)


Wenn's halten soll: Montagekleber

Wie verklebt man Hartschaum mit Holz? Das Klebstoff-Display im Baumarkt empfahl mir "Pattex Montagekleber". Den gibt's in Tuben und Kartuschen, ein Heim- und Handwerkerprodukt also und nicht so'n Schicki-Micki: schon sympathisch.

Das Pampf hat eine Konsistenz wie Nutella und eine Farbe wie Butter. Damit enden seine Ähnlichkeiten zu Nahrungsmitteln. Anfangs machte es allerdings auch nicht den Eindruck, sonderlich gut kleben zu wollen. Aber nachdem es dann ein paar Minuten Zeit zum Abbinden hatte, legte sich das. Und am nächsten Morgen konnte ich meine zum Testen stumpf hochkant aufs Holzbrett geklebte Hartschaumplatte nicht mehr von diesem trennen, ohne daß der Hartschaum riß!

Lektionen: Kleberspuren an den Fingern sofort (!) mit warmem Wasser, Seife und Bürste entfernen. Nach dem Abbinden bleiben die einem für Wochen erhalten. Kleberspuren woanders sind Schicksal: man kann das Zeug, wenn es frisch ist, verreiben, und man kann es, wenn es abgebunden hat, wegschnippeln -- aber entfernen kann man es nicht. Abschleifen auch nicht, denn es ist dauerelastisch.

Aber es verklebt alles mit allem für immer. Naja, aber fast. Mehr was fürs Grobe, da aber unschlagbar.

Update: Mittlerweile habe ich einen noch fieseren Montagekleber gefunden, nämlich den von BTI. Das Problem ist nur, daß man den im Baumarkt nicht finden wird; BTI vertreibt seine Waren nur im Direktversand an Gewerbetreibende, typischerweise Baufirmen, und dann auch nur kartonweise. Aber es lohnt sich, den nächsten Handwerker mal zu fragen, was er so für ein Pampf verwendet -- von Pattex hält zumindest der von mir befragte nicht allzuviel.

A kind of magic: Decal-Weichmacher

Man sieht es immer wieder: wunderschön gemachte Modelle, nur leider mit einem leicht silbrigen Schimmer unter den Abziehbildern. Das muß nicht sein.

Die Lösung ist simpel und kommt sogar aus demselben Hause wie viele der Abziehbilder, nämlich von Gaßner: Weichmacher heißt das Mittelchen. Man trägt es auf das konventionell aufgebrachte Decal auf, drückt evtl. vorsichtig das Decal an (z.B. mit einem Wattestäbchen) und läßt es trocknen. Evtl. widerholt man das ein paarmal. Der Effekt ist ganz erstaunlich: das Decal scheint sich förmlich in die Ritzen und sogar in die Unebenheiten einer matten Oberfläche zu saugen. Die Trägerfolie verschwindet optisch völlig. Und nach dem Trocknen ist das ganze mindestens so kratzfest wie eine durchschnittliche Druckbeschriftung.

Bloß verschieben kann man das Abziehbild dann nicht mehr: die Trägerfolie reißt sofort, und das Decal ist Müll. Also erst wie üblich mit Wasser lösen und positionieren, leicht trocknen lassen und erst dann mit Weichmacher kommen, dann wird's was.

Entgegen der üblichen Weisheit bevorzuge ich, seit ich dieses Zeug kenne, stumpfmatte, evtl. sogar leicht schartige Oberflächen zum Aufbringen von Decals, nicht die sonst empfohlenen glänzenden. Auf denen bleibt der Rand der Trägerfolie nämlich immer sichtbar -- es ist schlicht keine Vertiefung da, in der er sich verstecken könnte.

Angeblich soll ordinärer Essig (nicht -essenz!) denselben Effekt haben. Ich habe ihn zwar getestet, aber noch keine richtige Meinung dazu -- dafür braucht's den direkten Vergleich, aber mein Weichmacher ist grad alle.


Metall zum Kneten: Quiksteel

Noch so ein irritierend falsch geschriebenes Produkt. Dieses ist eine Zweikomponenten-Knetmasse. Man erhält für teures Geld (ca. 15 EUR für 60 Gramm; Bezugsquelle: Autozubehör) eine innen schwarze und außen graue Wurst Knete. Passend abgelängt, durchgeknetet bis die Farbe einheitlich dunkelgrau ist, und schon kann man damit modellieren.

Was man damit modelliert, bleibt der Phantasie überlassen. Im Modellbau hab ich es noch nicht verwendet, wohl aber ein Loch in einem Käfer-Motorblock verschlossen. Denn was man damit modelliert hat, ist zwar nicht, wie der Name suggeriert, wie Stahl -- aber verdammt hart und temperaturbeständig ist es doch. Angeblich soll man da Gewinde reinschneiden können, und 260 Grad aushalten soll es auch. Das hab ich beides nicht verifiziert -- aber daß es ein Teufelszeug ist, bestätige ich hiermit gern.

Und wenn ich mal ein Loch in einem Lokfahrwerk zu schließen haben werde oder ein Getriebegehäuse eine unkonventionelle Verlängerung brauchen sollte, dann werde ich zum sicherheitshalber immer im Giftkoffer mitgeführten Quiksteel greifen und mal kucken, ob es hält, was es verspricht.

Ich bin da guter Dinge. Als wir den Käfermotor damals, zigtausende Kilometer später, entsorgt haben, hat der überall Öl verloren, nur nicht an der zugekneteten Stelle.

Farbe? Wozu Farbe? Fohrmann Messingbraun

Messingteile an Güterwagen (und anderswo) griffest zu lackieren, ist nicht trivial. Deswegen wollte ich schon vor Jahren immer mal ein Brüniermittel ausprobieren. Nun war es endlich soweit: Fohrmann Messingbraun (von ThomasW abgezweigt, danke dafür!) stand bereit. Also habe ich zunächst versucht, das Zeug aufzupinseln. Das geht, braucht aber viel Geduld: erst nach ca. 15 Schichten war ein Draht merklich dunkler, Gußteile zeigten sich gar völlig unbeeindruckt.

Klingt nicht so toll? Stimmt. Ich war auch nur mäßig begeistert. Bis ich dann mal ein paar gegossene Signalhalter von Weinert versuchsweise in das Zeug reingeworfen habe (nicht in die Flasche, sondern in eine zu diesem Zweck in einen Kronkorken gefüllte Pfütze davon). Keine 5 Minuten später waren die Teile schwarz (naja: schwarzbraun) und stumpfmatt. Toll! Das eigentlich geplante Lackieren konnte entfallen, da die Dinger an dem Kühlwagen, an den sie sollten, eh schwarz waren. Aber auch für braune Wagen werden die Teile bei mir ab sofort brüniert: erstens sollte die Farbe da besser drauf halten, und zweitens blinkt's nicht gleich messingfarben, wenn sie doch mal einen Kratzer abbekommen.

Und bis ich den Altbaukessel-Umbausatz für meine Roco-41 angehe, muß ich mir auch das passende Zeug für Zinnguß besorgen. Gibt's, genau wie auch für Stahl, ebenfalls bei Fohrmann. Und dann brauch ich noch dicht verschließbare, flache Schalen, damit ich mir das ewige Hin-und-Herkippen zwischen Schale und Flasche sparen kann.

Echt Ätzend: Kleine Details selbst gemacht

Viele Details kann man einfach aus Blech machen, z.B. Lüftergitter, Trittroste (auch aus Riffelblech),...

Die Teile von Hand zu schnitzen macht keinen Spaß, aber man sich ja von der Chemie helfen lassen. Praktischer Weise gibt es bei Conrad Blech mit Fotolack zu kaufen. Die kleine Packung mit 0,15mm Dicke hat die Bestell-Nummer 530028.

Als erstes braucht man eine Vorlage, ich erstelle sie mit Eagle von Cadsoft. Dazu reicht normal die freie Version vollkommen aus. Mit den Layern muss man dabei manchmal etwas kreativer umgehen, aber bisher hatte ich damit kein Problem. Die minimale Breite der Strukturen sollte ca. 2/3 der Blechdicke nicht untschreiten. Wichtig bei der späteren Handhabung ist ein Rand, ohne hat man wenig Spaß mit kleinen Teilen im Ätzbad. Die Datei druckt man dann auf Folie aus, je nach Drucker kann außer Schwarz auch Gelb oder Rot die besten Ergebnisse bringen. Die Oberseite muss man dabei spiegeln, so dass der Druck immer direkt auf den Fotolack kommt. Am besten baut man dann aus der Folie eine Tasche, in die man das Blech stecken kann.

Dann schneidet man ein passendes Stück Blech aus, dafür geht eine stabile Schere, und biegt das Blech wieder gerade. Jetzt zieht man bei nicht zu hellem Licht die Schutzfolien ab und klebt das Blech mit etwas Tesafilm in die Tasche. Zum Belichten kann man verschiedene Lichtquellen nehmen. Z.B. spezielle Belichtungsgeräte, billige Energiesparlampen ohne UV-Filter, UV-LEDs mit 405nm, die Mittagssonne usw. Es kommt vor allem auf den Bereich um 400nm an. Die Belichtungszeit hängt natürlich von der Lichtquelle ab, da hilft leider nur ausprobieren.

Als nächstes muss der Fotolack entwickelt werden. Durch das UV-Licht wurde der Fotolack zerstört und ist jetzt Empfindlich gegen Natronlauge. Also nimmt man eine flache Schüssel und füllt Natronlauge rein. Ich rühre sie mir immer selbst aus Ätznatron an. Ätznatron gibt es eigentlich überall. Abflussreiniger ist auch nur Ätznatron, manchmal auch mit Aluminiumflocken. Aluminium sollte vorher ausgesiebt werden.

Achtung! Natronlauge und besonders Ätznatron sind stark ätzend. Schützt eure Augen und Hände! Wer keine Schutzbrille hat, soll notfalls eine Schwimmbrille nehmen. Die kleinen Kügelchen hüpfen gerne davon, nicht mit den bloßen Händen aufheben! Wenn sich die Finger seifig anfühlen, sofort mit Wasser abspülen!

Die genaue Konzentration ist nicht so wichtig, wenn sie stärker ist, muss man aber mehr aufpassen. 2-3% sind für den Bungard-Fotolack ausreichend. Das Blech wird jetzt in die Natronlauge gelegt und ein bischen geschwenkt. Der belichtete Fotolack färbt sich dabei dunkel und löst sich auf. Wenn sich keine dunklen Wolken mehr bilden, schwenkt man das Blech zur Sicherheit noch mal ein paar Sekunden und spült es danach ab. Zur Entsorgung nehmt ihr den Abfluss, der am schlechtesten abläuft und kippt die alte Lauge da rein. Die Lauge verseift dann gleich noch ein paar Fette, die sich evtl. am Rohr abgelagert haben (daher wird das Zeug ja auch als Abflussreiniger verkauft). Wer die Lauge aufheben will, muss sie luftdicht lagern. Sonst fällt Natriumcarbonat aus, das gibt nur weißes Pulver, das zu nicht mehr viel zu gebrauchen ist.

Jetzt kommt das eigentliche Ätzen: Dazu verwende ich eine Mischung aus verdünnter Salzsäure und Wasserstoffperoxid. Salzsäure kann dem eigentlichen Blech nichts anhaben. Die Salzsäure löst aber das Kupferoxid, welches das Wasserstoffperoxid aus dem Kupfer im Neusilber macht. Netterweise geschieht dies vor allem an den Kanten und vor allem in die Tiefe, so dass größere Flächen zuerst am Rand durchgeätzt sind.

Ach ja, die Konzentration davon: Auch wieder nicht ganz so kritisch, ich habe zuletzt 8 Teile Wasser, 2 Teile Salzsäure und 2 Teile H2O2 verwendet. Die Salzsäure und das Wasserstoffperoxid sind jeweils eine Konzentration von ca. 30%. Auch hier ist wieder die Schutzbrille und Handschuhe angebracht.

Diesmal ist die Entsorgung nicht ganz so einfach, denn diesmal haben wir eine Flüssigkeit mit Schwermetallen (Kupfer und Nickel). Die sammelt man ab besten etwas und gibt sie dann bei der Sondermüllsammlung ab, kleine Mengen kosten normalerweise nichts. Diesmal darf der Behälter aber nicht ganz dicht sein, denn das Ätzmittel gast etwas aus.


Ermel MatthiasK