Amerikanische Rangierbahnhöfe

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Hintergrund

In den USA heißen zum Rangieren dienende Gleisanlagen allgemein yards. Der Bahnhofsteil mit Ablaufberg heißt hump yard, die Einfahrgruppe reception yard, die Ausfahrgruppe departure yard. Die Richtungsgleise nennt man auch bowl tracks, und das Gesamtsystem classification yard, was man etwa mit Zugbildungsbahnhof gleichsetzen kann.

Da die meisten US-Bahnen sehr lange Züge fahren - 100 Vierachser und mehr -, würde die Hintereinanderanordnung von zuglangen Einfahr-, Richtungs- und Ausfahrgruppen äußerst viel Länge beanspruchen. Da andererseits typischerweise in einer Relation nur ein Zug am Tag oder nur alle paar Tage ein Zug fährt, wären die Gleisgruppen ziemlich schmal.

Man bevorzugt eine Richtungsgruppe mit vielen Gleisen, die nur ein Bruchteil einer Zuglänge fassen, und seitlich davon liegende Ein- und Ausfahrgruppen von Zuglänge. Dies bedingt aber ein Umsetzen der aufzulösen und zu bildenden Züge in mehreren Gruppen.

Beispiele

Das Schrägluftbild von Centennial Yard, Fort Worth, Texas läßt das Prinzip gut erkennen. Links liegt die Einfahrgruppe, die aufzulösenden Zugteile werden über unter dem Bildausschnitt liegende Ausziehgleise umgesetzt und über den Berg geschoben. Man erkennt die Bergmeisterbude am Gipfel, Vorbremse und Talbremsen sowie den Brems- und Stellwerksturm rechts davon. Am Ende der Richtungsgruppe werden die Zugteile dann über Ausziehgleise in die rechts liegende Ausfahrgruppe umgesetzt. Auf diesem Luftbild ist der Bahnhof vollständig zu sehen.

           
                   ___<_Umfahrungsstrecke_>______________
                  /  __________________________________  \
                 /  /   E-Gruppe                       \  \
                /  /   ______________________________   \  \
               /__/___/  _________                   \   \  \
_<_>__________/ /       /         \  Betriebswerk     \  |  |
     \  ____Z__/__Berg_/ R-Gruppe  \  Wagenwerkstatt___\ |  |
      \______________  \            \     /             \|  |
       \             \  \____________\__ /_____Z_______  \   \
        \__________   \________________/__\____Z________  \___\
                   \   A-Gruppe     / \                        \____<<___
                    \______________/   \______>>_________________\____>>_

Ein kleinerer Bahnhof mit etwa spiegelbildlichem Aufbau ist Hobson Yard, Lincoln, Nebraska.

Der Bahnhof Pig's Eye Yard, St. Paul, Minnesota wird regelmäßig überschwemmt - man stellt Schotterwagen auf, um ein Aufschwimmen der Gleisjoche zu verhindern. Verglichen mit dem einheitlichen Wasserspiegel kann man die Höhenlage der Gleise gut erkennen und auch so manch anderes Detail zeigt das Bild.

Eine stimmungsvolle Aufnahme von Avon Big Four Yard läßt einige Charakteristika und Details gut erkennen:

  • Verschwenkung des durchgehenden Hauptgleises (links) nach Erweiterungen
  • eine kleine Umlaufmöglichkeit im Weichenfeld, etwa für Packwagen
  • doppelte Weichenstraße für gleichzeitige Fahrten
  • die Steilweichenstraße rechts - Aufsteilung durch Bogen nach der 1. Weiche, dann folgen den Herzstücken sofort die Zungen dern nächsten Weiche, im abzweigenden Strang nach dem Herzstück jeweils ein Ausgleichsbogen
  • Randwege
  • Lampen
  • Buden
  • Aufsichtstürme sind typisch für US-Yards

Ablaufanlagen

Große Bahnhöfe haben oft eine Unterführung von Verkehrsgleisen unter dem Ablaufberg hindurch, wie hier im Macmillan Yard, Toronto, Ontario.

Typisch sind die zum Abdrücken eingesetzten slug sets. Dabei handelt es sich um Lokomotivfahrgestelle, die lediglich mit Traktionsmotoren und Ballast ausgrüstet sind. Sie sind elektrisch mit dem Generator der Lokomotive verbunden und erlauben es durch die Erhöhung der Reibungsmasse, schwere Züge langsam zu bewegen. Die Leistung eines Dieselmotors reicht dabei aus, deshalb ist ein slug set wirtschaftlicher als ein Consist von 2 Lokomotiven.

Fotos einiger slug sets nach Bahngesellschaften:


Kleine Rangierbahnhöfe

Auch mit nur wenigen Gleisen im Yard lassen sich vielfältige Wagenübergänge lösen, sofern der Yard nach Einfahrt aller bunten Eingangszüge ausrangiert wird und dann alle Ausgangszüge zunächst nach Richtungen sortiert stehen.

Ausgangszustand - alle Gleise halbvoll mit bunter Mischung

Gleis 1: A C D A B C C A D B
Gleis 2: B D A C D D A C B
Gleis 3: A A B D C A D C A A
Gleis 4: C B A A B D A D

Gleis 1 ausrangieren

Gleis 1: A A A
Gleis 2: B B B D A C D D A C B
Gleis 3: C C C A A B D C A D C A A
Gleis 4: D D C B A A B D A D

Gleis 2 ausrangieren

Gleis 1: A A A A A 
Gleis 2: B B B B
Gleis 3: C C C C C A A B D C A D C A A
Gleis 4: D D D D D C B A A B D A D

Gleis 3 ausrangieren

Gleis 1: A A A A A A A A A A 
Gleis 2: B B B B B
Gleis 3: C C C C C C C
Gleis 4: D D D D D D D C B A A B D A D

Gleis 4 ausrangieren

Gleis 1: A A A A A A A A A A A A A 
Gleis 2: B B B B B B B
Gleis 3: C C C C C C C C
Gleis 4: D D D D D D D D D

Fertig.

Die Reihenfolge, in der die Gleise gezogen werden, spielt keine besondere Rolle. Man sollte wohl zuerst dasjenige Gleis ausziehen, in dem am wenigsten Luft ist und zuletzt das Gleis mit der größten Längenreserve. Wenn noch freie Gleise zur Verfügung stehen, können diese zum Sammeln starker Gruppen genutzt werden; das reduziert die Füllung der anderen Gleise und die Menge der Wagen, die auf dem Ausziehgleis beim Abstoßen mitgeschleppt werden müssen.

Verladeanlagen

Nebenanlagen und Besonderheiten

Transfergesellschaften

An großen Bahnknotenpunkten haben die Bahngesellschaften (1st class railroads), deren Hauptlinien dort enden, gemeinsame Transfergesellschaften gegründet, die für die Überführung der Wagen zwischen den Bahnen und Anschließern zuständig sind. Heute sind das noch 3 wichtige Gesellschaften im Großraum Chicago - nämlich Belt Railway of Chicaho (BRC), Indian Harbor Belt (IHB) und Elgin, Joliet & Eastern (EJ&E oder the J) - und die TRRA in St. Louis.

Links und Literatur

Balsine