Ablaufanlagen beim Vorbild

Aus Frokelwiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Zurück zur Übersicht Rangierbahnhöfe

Aufgabe und Probleme

Aufgabe der Ablaufanlage ist es, Züge zu zerlegen und Wagen zu sammeln, indem die einzelnen Abläufe durch Schwerkraft so bewegt werden, daß sie ohne Lokomotivkraft in ihr Zielgleis rollen und zwischen ihnen die Weichen sicher umgestellt werden können. Die praktischen Probleme (Störgrößen) dabei sind:

  1. Unterschiedliche Laufwiderstände der Wagen: Gutläufer und Schlechtläufer
  2. Witterungsabhängigkeit: Temperatur und Wind
  3. Unterschiedliche Streckenwiderstände: Gleisbögen, Weichen
  4. Unterschiedliche Laufweiten in den Zielgleisen
  5. Weichenumstellzeit
  6. Gefahr durch unzeitige Weichenumstellung
  7. Gefahr von Eckstößen
  8. Gefahr von schädlichen Auflaufstößen

Dabei sollen noch die Vorgaben erfüllt werden:

  1. kostengünstige Anlage
  2. Geringer Platz-, insbesondere Längenverbrauch
  3. ausreichende Leistunsgsfähigkeit
  4. geringer Personalbedarf

Die beschleunigenden Kräfte sind durch die Profilgestaltung der Anlage ein für allemal festgelegt. Zum Ausgleich der Störgrößen bleibt nur individuelles Bremsen der Abläufe.

Bezüglich der Profilgestaltung unterscheidet man Flachbahnhöfe und Gefällebahnhöfe.

  • In einem Flachbahnhof wird den vom Zugstamm ablaufenden Wagen auf einer relativ kurzen und steilen Ablauframpe soviel Schwung gegeben, daß sie durch die Weichenzone ausreichend weit in die fast ebene Richtungsgruppe rollen.
  • In einem Gefällebahnhof ist das Gefälle durchgehend und mit etwa 10 ‰ deutlich größer bemessen als der Laufwiderstand der Schlechtläufer.

Ablaufanlagen lassen sich in zwei Leistungsklassen einteilen:

  • Hochleistungsanlagen, typischerweise als Hauptablaufanlagen in Rangierbahnhöfen zu finden, 3-4 Meter Berghöhe, Gleisbremsen, besonderes Rangierstellwerk, Gleisplan auf Ablaufbetrieb optimiert, Leistung 1000-6000 Wg/Tag
  • Kleinanlagen, typischerweise zur Einsparung von Abstoßbewegungen auf kleinen Knotenbahnhöfen hinzugebaut, 1,5-2 Meter Berghöhe, keine Gleisbremsen, Weichenstellung meist durch Stellwerk für Zugfahrten, Gleisplan nicht auf Ablaufbetrieb optimiert, Leistung < 1000 Wg/Tag

Aus den Kleinanlagen, die so modellbahngerecht scheinen, kann man leider wenig über das Wesen des Ablaufbetriebs lernen. Oft sind kleine Ablaufberge angelegt worden, da sie ein rationelleres und schonenderes Rangieren als das sonst geübte Abstoßen erlauben. Sie sind nicht perfekt, es wird z. B. in Kauf genommen, daß manche Schlechtläufer auf den Weichen stehenbleiben, wenn man ihnen nicht zusätzlichen einen Stoß gibt. 1931 erschien ein Artikel "Überall Ablaufberge!" in der Verkehrstechnischen Woche, der manche solche Anlage inspiriert haben dürfte. - Wir betrachten die Hochleistungsanlage, weil sie als Studienobjekt mehr hergibt und wir im FREMO wegen der Zeitverkürzung auch Höchstleistungen im Rangierbetrieb brauchen.

Profilgestaltung

  • Gegensteigung 20...25 ‰ zum Stauchen des Zuges, damit Aushängen der Kupplungen durch Knüppel oder Rangiergabel möglich ist
  • Steilgefälle 50...70 ‰ zur kräftigen Beschleunigung, um die Abläufe möglichst schnell zu trennen, damit Zeit zum Umstellen der 1. Verteilweiche gewonnen wird
  • Gefälle 20-30 ‰ in den ersten Verteilweichen
  • Gleisbremsen (Hemmschuhauswurfbremsen oder Balkengleisbremsen) zur Begrenzung der Geschwindigkeit (damit die Wagen im Richtungsgleis per Hemmschuh aufgefangen werden können) und Angleichung der Geschwindigkeiten (damit die Gutläufer nicht auf Schlechtläufer auflaufen, Eckstöße verursachen oder die Zeit zum Weichenumstellen zu knapp wird)
  • Weichenzone in der Waagerechten, damit keine weitere Beschleunigung die Gutläufer Schlechtläufer einholen läßt
  • hinter dem Grenzzeichen der Richtungsgleise leichtes Gefälle von 1,5 ‰, um Laufwiderstände auszugleichen und das Sammeln zu erleichtern

Gleisplan

  • Büschelung, d. h. baumförmige Entwicklung, in jedem Fahrweg möglichst gleich viele Weichen
  • Anordnung der Weichen in Staffeln
  • Engste Aneinanderreihung der Weichen, um die Ablaufzone kurz zu halten, oft liegen die Zungen gleich hinter dem Herzstück der vorliegenden Weiche
  • starke Spreizung in der 1. Weiche durch Weichenkreuz oder Außenbogenweiche 215-1:4,8
  • Einbaulänge für Gleisbremsen
  • 2 Berggleise verkürzen die Anrückzeit
  • Gruppeneinfahrrampe ergibt kürzeste Anrückzeit, aber Verlustzeiten durch abfahrende Zuglok
  • Notwendigkeit für Gegenausfahrten, Umfahrgleise und Verkehrsgleise für abfahrende Zuglok berücksichtigen
  • Haupttrennungsarbeit in den ersten Weichenstaffeln, daher besonderes Stellwerk für diese oder Automatisierung
  • schnellaufende elektrische Weichenantriebe oder kleine mechanische Rangierstellwerke mit guter Übersicht und kurzen Übertragungswegen