ADyse641

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Schon immer fand ich die Eilzugwagen aus den 30er Jahren eine besonders schöne Wagenserie. Als ich beim Stöbern im Ausstellungskatalog zur großen Eisenbahnausstellung anläßlich des 150. Jubiläums in Bochum 1985 die Beschreibung des Museumswagens AD4yse 25291 Nür fand, war klar: Den muss ich mir bauen! Es handelt sich bei diesem Fahrzeug um einen kombinierten 1.Klasse-Wagen mit Gepäckabteil, durch Umbau entstanden aus einem 2.Klasse-Wagen der 36er Eilzugwagenbauart.

Als Basis für den Umbau dient wie beim Vorbild ein Modell des 36er Eilzugwagens 2.Klasse von Roco. Alle Vorbildinformationen außer dem erwähnten Artikel habe ich aus dem Internet bezogen: Sucht man bei Google nach der Gattung "ADyse", bekommt man erstaunliche Treffer, einschließlich zweier Fotos der "interessanten" Seite und einer Typskizze:

Damit ausgerüstet kann es losgehen

"Interessante Seite" meint die grundlegend veränderte. Beim Umbau dieses Fahrzeugs blieb nämlich die Fensteraufteilung auf der zukünftigen "Gangseite" erhalten, wogegen auf der anderen Seite weniger, aber größere Fenster zum Einbau kamen. Geändert werden müssen also:

  • die Fensteraufteilung der Abteilseite
  • die Türbereiche
  • das Dach
  • die Inneneinrichtung
  • Farbgebung und Beschriftung
  • die Fenstereinsätze

Das Fahrwerk hingegen bleibt unverändert, lediglich ein Tritt ist zu kürzen, was ich den Türbereichen zurechne.

Fensteraufteilung

Auf der Gangseite behält der Wagen seine Fenster, auf der gegenüberliegenden Abteilseite hat der umgebaute Wagen jedoch eine völlig andere Fensteraufteilung. Die "Abteilseite" ist vor dem Umbau übrigens die, auf der die kleineren Toilettenfenster zu sehen sind. Diese bilden die Begrenzung des Arbeitsbereichs:

Mit der Laubsäge müssen, ausgehend von den Toilettenfenstern, alle Fensterstege herausgetrennt werden. Dazu werden Sägeschnitte knapp neben der Verlängerung der Ober- bzw. Unterkante des Fensters gesetzt. Anschließend erzeugt man mit der Feile durchgehende Unter- und Oberkanten. Lediglich den mittleren Fenstersteg habe ich stehen gelassen, was sich hinterher positiv auf die Stabilität auswirkt.

Entsprechend der Konstruktionsskizze werden nun neue Fensterstege aus Polystyrolplatten ausgeschnitten und eingeklebt. Für den optischen Eindruck kommt es dabei nicht so sehr auf Zehntelmillimeter an, sondern darauf, dass die Stege ebenso wie die sich ergebenden Fensteröffnungen innerhalb jeder Gruppe links und rechts des mittleren Stegs gleich groß sind.

Die Fenstereinsätze passen jetzt auf dieser Seite natürlich nicht mehr. Doch darum kümmern wir uns nach der Lackierung.

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Die Türbereiche

Naturgemäß sind die Türbereiche an den beiden Wagenenden unterschiedlich zu behandeln. Schließlich ist das eine Ende zur Gepäcktür geworden, wogegen das andere nun den erstklassigen Reisenden dient.

  • Gepäckende: Leider ist da meine Datenlage schlecht, so dass ich nicht genau weiß, wie es dort im Original aussieht. Nach der Zeichnung wurde der Mittelteil zwischen den beiden Türen beweglich gemacht. Ich habe mich darauf beschränkt, hier die Griffstange wegzunehmen und deren Befestigungslöcher zu verschließen.
  • 1.Klasse-Ende: Hier wurde beim Original die innere Tür verschlossen. Im Modell wird daher die Nachbildung dieser Tür plan geschmirgelt. Anschließend muss der auf Höhe der Fensterbrüstung durchlaufende Zierstreifen mit einem sehr dünnen Stück Polystyrol ergänzt werden. Ein solch dünnes Stück habe ich durch Befeilen einer 1mm starken Platte gewonnen. Auf der Abteilseite wird außerdem das Fenster der inneren Tür zum WC-Fenster. Also den zugehörigen Fenstereinsatz weiß hinterlegen und ebenfalls aus dünnem Polystyrol einen Fenstersteg einfügen. Abschließend ist noch der Tritt an diesem Wagenende, der beim Roco-Modell am Drehgestell angebracht ist, so zu kürzen, daß der Teil unter der jetzt verschlossenen Tür wegfällt. Wer will kann die Tritte insgesamt durch feststehende von Weinert ersetzen; dann ist eine Anordnung wie beim ABye zu wählen. Ich habe mir diese Mühe gespart.

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Das Dach

Leider lagen mir für den Umbau keine Fotos oder andere Quellen vor, die den Dachbereich detailliert darstellen. Immerhin ist aus der Skizze die Lage der Lüfter zu entnehmen. Ich habe mich daher entschlossen, das Dach mit möglichst wenig Aufwand so umzugestalten, dass der Wasserbehälter am einen Ende über dem WC zu liegen kommt, am anderen Ende verschwindet und dass die Lüfter an den angegebenen Stellen sitzen. Außerdem sollten möglichst viele der Rastnasen erhalten bleiben, damit das Dach nicht aufgeklebt werden muss, sondern abnehmbar bleibt.

Dazu werden zunächst die vorhandenen Löcher für die als Zurüstteile beiligenden Lüfter mit Spachtelmasse verschlossen und geglättet. Auf gleiche Weise verschwindet der Wasserbehälter an dem Ende, wo zukünftig das Gepäckabteil zum liegen kommt. Anschließend habe ich mit der Laubsäge drei saubere Schnitte quer durch das Dach gesägt, und zwar entlang der beiden dargestellten Nähte vor und hinter dem beibehaltenen Wasserbehälter und unmittelbar bevor das Dach in die Krümmung übergeht. Dadurch entsteht ein langes Teil, ein Teil mit dem Wasserbehälter, ein kurzes und ein Teil mit der abschließenden Dachkrümmung. Ich habe dann einfach das kurze Stück mit dem Wasserbehälter vertauscht und alles wieder zusammengeklebt.

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Durch diese Maßnahme rückt der Wasserbehälter wie das zugehörige WC näher an das Wagenende, während insgesamt drei der vier Haltenasen am langen Teil ihre Lage behalten. Dadurch kann beim Zusammenbau das Dach einfach wieder aufgeklipst werden. Abschließend werden nur noch die Bohrungen für die Lüfter neu platziert und diese in das Dach eingesetzt.

Inneneinrichtung

Die vorhandene Inneneinrichtung ist nicht mehr zu gebrauchen und wandert in die Restekiste. Statt dessen hat die eine Wagenhälfte jetzt 1.-Klasse-Abteile mit Seitengang, die andere einen Gepäckraum. Ich habe die Abteile durch ein zurechtgeschnittenes Stück der Einrichtung eines Jouef-SBB-RIC-Wagens 2. Klasse dargestellt, der seinerseits umgebaut wurde; die Abteile weisen die richtige Länge auf.

Neben dem Gepäckabteil läuft der Seitengang durch. Die erforderlichen Trennwände wie auch die neue Toilette habe ich aus dünner Pappe gefertigt und lackiert, was eine ausreichende Detaillierung ergibt, zumal man wegen der Schutzgitter von außen kaum in das Gepäckabteil schauen kann.

Farbgebung und Beschriftung

Da das Fahrgestell unverändert bleibt, muss es auch nicht lackiert werden. Das hat den Vorteil, dass die Beschriftungen des Längsträgers erhalten bleiben können. Sie sind zwar inhaltlich nicht 100% richtig, jedoch sind nachträglich aufgebrachte Beschriftungen niemals so fein wie der originale Druck von Roco. Wenn der Wagen auf der Anlage unterwegs ist kann ich das Untersuchungsdatum sowieso nicht lesen, sehe aber sehr wohl, dass es extrem kleine und saubere Anschriften gibt. Ob die Beschriftung dem neuen Vorbild angepaßt wird, muss letztlich jeder selbst abwägen. Anders sieht es aus, wenn als Basis ein älteres Roco-Modell mit oftmals verwaschenen Beschriftungen dient.

Beim Wagenkasten und beim Dach kommt man um eine Lackierung und Beschriftung hingegen nicht herum. Ich habe dafür Acrylfarben von Weinert verwendet. Das Dach wird in grau (RAL 7022), der Wagenkasten in Chromoxidgrün (RAL 6020) mit der Spritzpistole lackiert. Der Wagenkasten bekommt noch den 1.Klasse-Streifen sowie die notwendigen Beschriftungen. Den DB-Keks, die Klassenziffer sowie Raucher- und Nichtraucherschilder stammen aus einem Beschriftungssatz von Gaßner, die Wagennummer und Gattungsbezeichnung wurden individuell von Decals Andreas Nothaft angefertigt. Die Türklinken werden silbern hervorgehoben. Abschließend werden Farbe und Beschriftung durch eine Schicht Klarlack geschützt.

Leider bietet Gaßner (und auch kein anderer mir bekannter Anbieter) keine Beschriftungssätze für die Epoche IV an - Umbauer scheinen nur "in Epoche III zu machen" (oder die Anbieter glauben das zumindest...). Leider, weil die gedruckten Schiebebilder den individuell gefertigten trotz allem qualitativ überlegen sind. Wer hier gegenteiliges weiß, möge es mir sagen...

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Fenstereinsätze

Auf der Gangseite, den Stirnseiten und in die Türfenster auf der Abteilseite werden nach der Lackierung die originalen Fenstereinsätze wieder eingesetzt. Die übrigen Fenster der Abteilseite habe ich aus klarem Polystyrolmaterial ausgeschnitten. Diese werden zunächst etwas zu groß mit dem Bastelmesser aus dem Material herausgetrennt und anschließend mit der Feile bearbeitet, bis sie exakt mit leichtem Klemmsitz passen. Eingeklebt werden sie dann mit Klarlack, der sparsam innen auf den Rahmen aufgebracht wird und völlig unsichtbar auftrocknet.

Für die drei Fenster des Gepäckraums sind noch Gitter anzufertigen. Optimal wären feine gerade Drähte, ich habe jedoch eine andere Lösung gewählt. Das Problem ist, dass oberhalb der Fenster bis zum Dach nur ein extrem dünner Bereich zur Befestigung bleibt. Ich habe daher aus dünner Pappe Rahmen mit sehr feinem oberen Rand ausgeschnitten. Darauf habe ich mit Sekundenkleber und unter leichter Spannung Zwirnsfaden aufgeklebt. Der Sekundenkleber verfestigt dabei auch Rahmen und Fäden, so daß das Endergebnis die erforderliche Stabilität erreicht. Die Fäden wurden noch silbergrau lackiert, bevor das ganze Konstrukt hinter die Fenster geklebt wurde.

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Damit ist der Umbau abgeschlossen, und ein interessanter und individueller Wagen steht zum Einsatz bereit.

Zum Abschluss noch ein weiteres Bild, bei dem die Farben besser sichtbar sind.
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Benutzer:Michael