Rückgebauter zweiseitiger Rbf

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Zweiseitiger Rangierbahnhof

Typischer Gleisplan mit 3 E und 10 R/A pro Richtung

Die Stellwerksbezeichnungen entsprechen den im Ruhrgebiet früher üblichen. Signalstellwerke sind nach Himmelsrichtungen bezeichnet, z. B. Nwt = Nord-West-Turm, Rangierstellwerke heißen Rt für Rangier-Turm und sind mit römischen Ziffern gezählt, z. B. Rt II. Bei Ausrüstung mit mechanischen Stellwerken braucht ein Rbf sehr viele Stellwerke, hier 7 Stück (und vielleicht ein weiteres im Bw-Bereich).

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Betriebsablauf mit 2 Bergen

  • Züge von Westen: Einfahrt bei Swt nach 3-5 (Westberg), Lok mit Packwagen nach 27, Packwagen in Pwg-Gruppe abstellen, Lok durch 27 ins Bw
  • Züge von Osten: Abzeigung vom Hauptgleis bei Ot, Einfahrt bei Not nach 28-30 (Ostberg), Lok mit Packwagen nach 6, Packwagen in Pwg-Gruppe abstellen, Lok durch 27 ins Bw
  • Zugzerlegung Westberg: Berglok fährt durch Gleis 6, setzt sich bei Swt hinter den Zug in Gleis 3-5, drückt in die Gleise 17-26 ab. Eckverkerswagen, die nach Westen gehen sollen, laufen nach Gleis 26. Ablaufstellwerk ist Rt I.
  • Zugzerlegung Ostberg: Berglok fährt durch Gleis 27, setzt sich bei Not hinter den Zug in Gleis 28-30, drückt in die Gleise 7-16 ab. Eckverkerswagen, die nach Osten gehen sollen, laufen nach Gleis 7. Ablaufstellwerk ist Rt II.
  • Eckverkehr: Wagen nach Osten werden aus Gleis 7 über Ziehgleis Zw auf den Ostberg 3-5 umgesetzt, Wagen nach Westen aus Gleis 26 über Ziehgleis Zo auf den Westberg 28-30.
  • Züge nach Westen: Zugbildung im Stoßverfahren in den Gleisspitzen bei Nwt. Lok vom Bw fährt durch 27, holt Packwagen, fährt weiter durch Gleis 6 und setzt sich über Zw vor den Zug in 8-16.
  • Züge nach Osten: Zugbildung im Stoßverfahren in den Gleisspitzen bei Sot. Lok fährt vom Bw durch 27, holt Packwagen, fährt durch 27 zurück, setzt sich über Zo bei Sot vor den Zug in 17-25. Das Einfahrgleis von Osten ist um das Ausziehgleis Zo herumgeführt, deshalb besonderes Abzweigstellwerk Ot erforderlich.
  • Personenverkehr: Haltepunkt mit Fahrkartenausgabe sowie Gepäck- und Expreßgutabfertigung zwischen den Gleisen 1 und 2.

Verbesserte Version

Verkehrsgleis 27 ist sehr stark belegt. Bei stündlich je 4 Zügen an jedem Berg sind es 4x6 = 24 Fahrten, deutlich zuviel für ein Gleis:

  • 4 Zuglok vom Westberg
  • 4 Zuglok vom Ostberg
  • 4 Zuglok nach Nwt
  • 4 Zuglok nach Sot zum Packwagen holen DOPPELT, also 8 Fahrten
  • 4 umfahrende Ostberglok

Deswegen empfiehlt sich eine Verdopplung dieses Gleises. Damit ergibt sich eine zweigleisige Lokomotivbahn von der Packwagengruppe bis zur Drehscheibe im Bw.

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Der Linksverkehr ist günstig: Im Bw liegen die flächenenfressenden Behandlungsanlagen nördlich, südlich ist nur Platz für das Ausfahrgleis. Die Fahrt der umlaufenden Ostberglok erfordert keine Kreuzung. Die Packwagengruppe ist nun so geordnet, daß die Rangierbewegungen am Ostende über Gleis 27a, das Fahrgleis nach Osten, laufen, damit gleichzeitig von 27 nach Westen gefahren werden kann.

Machbarkeit im Modell

Theoretisch ja.

16 Gleise nebeneinander - auf einem Meter Breite machbar. Die Längenausdehnung ist wegen der Ausziehgleise zur Zugbildung und der vorgelagerten Abzweigung Ot schwindelerregend. Von 10 Richtungsgleisen pro Seite geht je eines für Eckverkehr und als Sammelgleis (Leer-, Schadwagen, Wagen ohne Papiere) ab, es bleiben 8 Richtungsgleise für Zugbildung. Das ist wohl zuviel für denkbare FREMO-Arrangements.

Schwachpunkt eines zweiseitigen Rangierbahnhofs ist der Eckverkehr. Darunter versteht man die Wagen, die den Bahnhof in der selben Richtung verlassen, aus der sie gekommen sind. Sie müssen durch beide Hauptablaufanlagen geleitet werden, erleiden so Verzögerungen und die Leistung der Ablaufanlagen für die Zerlgung von Eingangszügen ist entsprechend gemindert.

Ein zweiseitiger Bahnhof arbeitet am besten, wenn es zwei starke, nach Richtungen weitgehend getrennte Verkehrsströme gibt. In einem gut ausgebauten Eisenbahnnetz ist das der Fall. Betrachten wir ein Streckendreieck zwischen den Knotenpunkten ABC. In den Rangierbahnhof B seien die Strecken von A und C gleichlaufend eingefädelt. Rangierbahnhof B empfängt von A mit Dg A-B nur die Frachten, die für B und Ziele dahinter liegen; also keine Wagen für C, denn diese werden ab A mit einem Dg A-C gefahren. Für einen Eckverkehr A-C kommen nur Wagen in Frage, die auf der Strecke von A (ausschließlich) bis B aufkommen und für die Strecke B-C oder Bahnhöfe hinter C bestimmt sind, und Wagen von A für gewisse Bahnhöfe etwa bis zur Mitte der Strecke B-C, für die der Weg über B günstiger ist als über C. Es handelt sich also in erster Linie um Wagen aus Ng bzw. für Ng der an B anstoßenden Strecken, "Binnenverkehr", wie man im FREMO sagt.

Im FREMO gibt es nun keine Streckennetze mit geschlossenen Maschen, sondern sternförmige Entwicklungen. Eine Strecke A-C fehlt. Auch der Fernverkehr A-C müßte in B umgestellt werden, es sei denn, man sieht dafür besondere Züge vor, die dann aber in B immer noch Kopf machen oder eine Verbindungskurve benutzen müßten. Der Eckverkehr ist bedeutend. Damit sind zweiseitige Rangierbahnhöfe von vornherein sehr nachteilig.

Rückbau zum einseitigen Rangierbahnhof

Wenn wir einen zweiseiten Bahnhof nicht gebrauchen können - was liegt näher als Rückbau? So ist man auch beim Vorbild vorgegangen. Viele zweiseitige Rangierbahnhöfe wurden aufwendig in einseitige umgebaut, um die Nachteile zu umgehen. Einige Beispiele:

  • Hamburg Süd
  • Göttingen Rbf
  • Hagen-Vorhalle
  • Offenburg Rbf

Bei manchen Bahnhöfen wurde nur ein System stillgelegt, der Rest mehr oder weniger behelfsmäßig für Gegenein- und Ausfahrten angepaßt, Beispiele:

  • Osterfeld Süd: Westberg komplett stillgelegt, wann?
  • Wanne-Eickel Hbf: Ablaufbetrieb am Ostberg stillgelegt
  • Dortmund Rbf: Zuerst Westberg stillgelegt (inzwischen alles tot)
  • Schlauroth: Nach 1945 Westberg stillgelegt

Das tun wir auch unserem fiktiven Gleisplan an. Wir legen den Ostberg still, um die von den Streckengleisen weit abliegenden Flächen gleisfrei zu bekommen.

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Einfahrende Züge von Osten müssen nun Gleis 27 bis zu einem Blindsignal bei Rt I benutzen und fahren dann als Rangierfahrt gegen den Westberg nach 3-5. Lok und Packwagen gehen dann über Gleis 6 in die Pwg-Gruppe. Die Weichenlage dort ist verändert, es gibt einen Ausziehstummel 7, damit das Absetzten und Aufnehmen von Packwagen das Gleis 6 nicht blockiert. Die Lok geht durch Gleis 27a zum Schuppen. Zu Zügen nach Westen läuft die Lok durch 27 nach 7, holt den Packwagen ab und setzt dann über 6 nach 17-26 an den Zug. Dann wird nach Gleis 6 vorgezogen und bei Swt auf Signal ausgefahren. Das ehemalige Eckverkehrsgleis 26 wird nicht mehr als solches gebraucht und ist am Ostende nun stumpf. Es dient als Sammelgleis oder Richtungsgleis nach Westen.

Durch diesen Rückbau konnten bereits die Stellwerke Nwt und Rt II eingespart werden. Ot und Not sind wenig belastet, arbeiten daher unwirtschaftlich und sollten ebenfalls beseitigt werden.

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So kann zumindest Ot aufgelassen werden, um dem Preis der Kreuzung der neuen Güterzugeinfahrt durch das Ausziehgleis Zo. Not dient nur noch den Rangierfahrten im Bw und kann ggf. in einen Handweichenbezirk umgewandelt werden. Bei Sot ist unbedingt eine Schutzweiche nötig, um beim Ablaufbetrieb durchgehende Wagen von Zügen fernzuhalten.

Am anderen Bahnhofsende ist es wünschenswert, mehr Einfahrgleise zu haben. Genug Platz ist ja nun vorhanden. Bei der Gelegenheit wird gleich das Weichenkreuz bei Sot aufgelöst und die Nutzlänge der Gleise etwas verbessert.

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In den 70er Jahren hätte man dann vielleicht noch ein bisschen herumgeschnippelt, um Weichen zu sparen. Für die Weichen von Not wird auf Sot ein kleines E43-Hebelwerk aufgestellt, um auch diesen Posten einzusparen. Endlich nur drei Stellwerke. Die Packwagengruppe nimmt nun Wagen mit Sonderbehandlung auf, da es kaum noch Packwagen gibt.

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Jetzt ist der Gleisplan FREMO-gerecht, oder? Einseitiger Rangierbahnhof, 5 E, 10 Ri, reichlich Verkehrsgleise, 3 Stellwerke. Und eine bewegte Geschichte.


Balsine