Milchverkehr

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Vorwort

In folgendem Artikel soll es um eine Bereicherung des Modellbahnbetriebes gehen,speziell des Betriebes nach Fremo-Art mit Wagen- und Frachtkarten. Natürlich wäre dafür ein Einblick in die seinerzeitigen betrieblichen Gepflogenheiten beim Vorbild nicht uninteressant. Wer kann helfen?

milchrampeneuseehagenl51vc.jpg

Action an der Milchrampe in Neuseehagen, Szene und Foto: M.Roeseler

Vorbild

Hier kann ich leider nicht viel beitragen, deshalb gleich weiter zur angedachten Modellumsetzung.

DB

Eine schöne Zusammenstellung zum Vorbild findet sich hier: Milchkesselwagen Tkkmhs 53
Und bei DSO gibt es auch einige Info-Krümel: http://www.drehscheibe-foren.de/foren/read.php?17,4673184

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Milchverkehr im Modell

Theorie

DB

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Es wird davon ausgegangen, daß der Milchverkehr bis etwa 1970 von der Bahn auf den LKW verlagert wurde. Und auch bis dahin wurden die Stellen, wo die Milch auf die Bahn verladen werden konnte, immer weiter reduziert.
Von den Landwirtschaftsbetrieben wird am frühen Morgen die Milch in Milchkannen mittels Traktor-bespannten Fuhrwerken zu von der Bahn festgelegten Verladepunkten gebracht. Diese Verladepunkte müssen nicht nur auf Bahnhöfe beschränkt sein, auch ein Haltepunkt kann über eine Milchrampe verfügt haben. Und in bestimmten Zügen, gerne Personenzügen, wurden Wärmeschutzwagen mitgeführt, in die die Milchkannen bei den Aufenthalten verladen wurden. Da die Aufenthaltszeiten für Personenzüge, auch auf Nebenbahnen, beschränkt bleiben müssen, kann man davon ausgehen, daß die Verladung der Milchkannen in die Wärmeschutzwagen am Bahnsteig stattfand, also ohne besondere Rangiertätigkeiten. Größere Milcherzeuger oder Verladepunkte können aber auch eigene Milchwagen an der Laderampe /-straße bereitgestellt bekommen haben. Diese sollten dann aber mit möglichst wenig Zeitaufwand, am besten mit einer Ortsrangierlok dem einsammelnden Zug beigestellt werden können.

Das Spiel soll also weniger in Rangiertätigkeiten bestehen, als vielmehr in der Beachtung von festen Kurswagenläufen und der (richtigen) Ladetätigkeit in Form des Sortierens der Milch-Frachtkarten. Und so, wie die Milchkannen morgens eingesammelt werden, müssen sie auch zum Abend wieder verteilt werden - entleert und gereinigt. Als Ziel für die weiße Fracht bietet sich natürlich eine Molkerei an, als Anschlußstelle, in einem Bahnhof oder fiktiv in einem Schattenbahnhof angeordnet.

Bevor es in die Modellbahnpraxis geht erst ein paar Zahlen für eine halbwegs glaubwürdige Dimensionierung des Milchverkehres (die Zahlen sind natürlich mehr angenommen als gewußt):
Heutzutage gibt eine gute Kuh ca. 30l Milch pro Tag. In der DDR war man mit einem Drittel davon schon überglücklich (wohl eher etwas weniger in den früheren LPG-Jahren). In eine Milchkanne passen 20 Liter. Man kann also durchschnittlich eine Milchkanne pro 2 Kühe ansetzen.
Eine Alukanne hat 28cm Durchmesser, wiegt ca. 2,5kg und fasst 20 Liter.
Die Betriebe in den 60er Jahren waren meist noch nicht allzu groß. Die LPG-Ställe, wie sie heute noch genutzt werden, sind eher Kinder der 70er Jahre und da war die Milchkanne schon Geschichte. Ich würde mal pro kleinem Ort max 25 Kannen ansetzen, z.T. auch weniger, größere Orte entsprechend mehr.

Dazu hier in den Erinnerungen eines ehemaligen "Kolchosnik" gekramt, Danke noch mal:
Die Einsammeltour per Traktorgespann sah folgendermaßen aus (im Zittauer Raum Anfang der 70er Jahre):
Hasenberg: 40 Kühe, 300l Milch, 15 Kannen;
Donix: 20 Kühe, 150l Milch, 8 Kannen;
Kaiser, Ehrenfried: 30 Kühe, 225l Milch, 11 Kannen;
Kaiser, Albert: 15 Kühe, 113l Milch, 6 Kannen;
Rönsch: 25 Kühe, 188l Milch, 9 Kannen;
"Bahn"-Härtelt: 60 Kühe, 450l Milch, 23 Kannen.

Ergibt gesamt 200 Kühe, davon - nehmen wir mal an - werden 75% gemolken (die fehlenden 25% sind die sogenannten "Trockensteher"). Das sind dann mal 150 Kühe, mal den 10 l "Tagesleistung" (könnte auch ungefähr hinkommen, denn damals wurden ja in der DDR massenweise "Jersey's" eingekreuzt und das waren ja eher "Katzen" als Kühe ;-) dann kommen wir auf 1.500 l. Das wiederum mit 20 dividiert (=Kanneninhalt) kommen wir auf 75 Kannen.

Das ist ungefähr die Menge, an die ich mich noch persönlich als "Milchabfahrer" Anfang der 70er Jahre erinnern kann. Damit war ein normaler Traktoranhänger fast ausgelastet, vorn waren die ersten beiden Reihen sogar doppelstöckig geladen. Dann war auf dem Anhänger noch 'n knapper halber Quadratmeter für den "Beifahrer" (der blieb gleich zwischen den einzelnen Höfen auf dem Anhänger) und hinten mußten ja auch noch 3 bis vier leere Milchkästen (Flaschenmilch vom "Konsum" und von der örtlichen HO-Verkaufsstelle) mit drauf.
Der Wagengrundriß eines Flachdach-Gwagens ist knapp 8,00m x 2,25m. Also passen da 28x9 ~ 250 Kannen rein. Das macht dann 12,5t und damit ist er auch gewichtsmäßig voll. Wenn man die Wäremschutzisolierung noch abzieht, und -fürs Spiel- gerundet sind 200 Milchkannen pro Wagen ein gangbarer Wert.

Praxis

Das Modellbahn-Streckennetz muß zuerst mit Milcherzeugern ausgestattet werden. Wobei durchaus mehrere Erzeuger Ihre Milch zu einer gemeinsamen Verladestelle bringen können, und es dadurch zu Ballungen kommt. Nach der Theorie oben kommt man Werten von 5 bis 30 Kannen pro Erzeuger gut hin.
Desweiteren müssen nun die Verladestellen, in Absprache mit dem Fahrplanbüro, festgelegt werden.
Nun weiß man, wo wieviele Milchkannen verladen werden müssen. Anhand dieser Zahl kann man nun sehen, ob ein Wärmeschutzwagen für die betreffende Strecke reicht (200 Kannen, größere Wagen auch mehr), oder ob es mehrere Wagen werden müssen. Bei mehr als einem Wagen erscheint auch die (feste) Aufteilung der Strecke auf die einzelnen Wagen sinnvoll. Denn die Ladetätigkeit muß schnell gehen und die Leute dürfen nicht erst lange suchen müssen (sowohl beim Be- als auch beim Entladen).
Insgesamt sollten den Wärmeschutzwagen feste Kursläufe zugeordnet werden. Umlaufkarten erscheinen sinnvoll. Die Wagen pendeln dann planmäßig in ihrem Umlauf.
Außerdem sind Anweisungen für das Ladepersonal, welcher Wagen an welchen Stellen geladen oder entladen wird wichtig. Auch im Zielort, der Molkerei.
Und die Milchkannen? Diese werden mittels eigener Frachtkarten dargestellt. Dabei kann man sich am System der Stückgutfrachten orientieren, d.h. daß mehr als nur ein Frachtzettel in einen Wagen geladen werden darf. Ob dabei die beim Stückgutverkehr übliche Viertel-Teilung günstig ist? Ich möchte stattdessen vorschlagen, konkrete Milchkannenzahlen auf den Frachtzettel zu schreiben. Und zumindest für jeden Milcherzeuger einen Frachtzettel erzeugen, möglicherweise bei großen Betrieben auch mehrere Zettel. Das fordert die Aufmerksamkeit des Zugpersonales, welches sonst mit Personenzügen ja eher weniger gefortert ist.
Die Frachtzettel sollten kleiner sein, als die gewöhnlichen, max. 80% groß, damit mehrere Zettel ins Kartenfach passen. Derzeit ist die Praxis, die Milchzettel vorn (volle Milchkannen) in weiß mit Eilgutstreifen, und hinten in orange (Stückgutfarbe für leere Milchkannen) zu drucken. Aber hier fehlt noch die Praxis. Unterschiedliche Farben für Vor- und Rückseite erscheinen aber sinnvoll, da es so für das Ladepersonal übersichtlicher wird. Eigentlich sollten ja volle und leere Milchkannen kaum gleichzeitig in einem Wagen anzutreffen sein - aber wie gesagt, die Praxis fehlt noch.


Meyer motzen