Fahrversuche

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oder wie man altes ein Fahrgestell von einem Fleischmann-Junior-Güterwagen zum Fahren bringt

Ausgangslage

Nachdem ich einige Jahre mit den Güterwagen aus dem Startset gespielt hatte, waren die Aufbauten ein wenig lädiert, aber die Fahrwerke - von vereinzelt fehlenden Puffern abgesehen - technisch noch voll in Ordnung. Mangels Vorbild (Junior-Serie) waren sie für den Fremo-Betrieb nicht zu gebrauchen, aber zum wegschmeißen trotzdem zu schade, zumal die Fahrgestelle Metalllager haben. Ein Wagen wurde - mit einem Fahrrad-Tacho - zu einem Tachowagen umgebaut und um den anderen dreht sich dieser Artikel.

Propellerwagen

Ein Schienenfahrzeug mit einem Propeller antreiben? Das konnte schon Herr Kruckenberg recht gut. Aber es müsste doch auch im Modell gehen, oder?

Als erstes wurde versucht, mit einem alten 12V-40mm-Achsiallüfer mit leichtem Lagerschaden den Wagen zum Bewegen zu überreden. Doch selbst mit 24V bewegte sich der Wagen nicht, obwohl der Lüfter heulte wie eine Gasturbine. Es musste also mehr Leistung her.

Der zweite Versuch war ein alter 12V-Bühlermotor für Autorennbahnen, an den das ausgebaute Lüfterrad geklebt wurde. Damit fuhr der Wagen immerhin schon mal und die Stromzuführung per Kabel erwies sich als unpraktisch. Jetzt zeigte sich, wie wichtig die Metall-Lager waren. Die alten Kunststoff-Radsätze wurden gegen Roco-Radsätze mit geteilter Achse getauscht und die Lager-Bleche in der Mitte geteilt. Zur weiteren Verringerung der Reibung wurden die Spitzen der Achsstummel angespitzt (Roco verwendet ein anderes Spitzenmaß als Fleischmann) und die Lager mit Graphit geschmiert. Die Antriebsleistung reiche aber nicht aus um durch Kurven (damals hatte ich nur 360mm-Kurven) zu fahren, also musste ein stärkerer Motor her.

Da damals die Technik der bürstenlosen Modellbaumotoren noch nicht sehr weit entwickelt war, fiel die Wahl auf einen Jamara-7,2V-Flugmotor, der bei gegebenem Durchmesser am meisten Leistung fürs Geld brachte. Endlich war genug Schub vorhanden, um auch in den berüchtigten R1-Kurven anfahren zu können, aber der hohe Schwerpunkt sorgte dafür, dass der Versuchswagen sofort aus dem Gleis kippte. Dasselbe passiert auch, wenn man dem Motor beim Anlaufen einen zu großen Strom erlaubt - der Wagen liegt dann einfach neben dem Gleis ohne sich vorwärts bewegt zu haben.

Die Fahrleistung ist aber phänomenal, solange kein weiterer Wagen mitgenommen werden soll. Selbst nach 5m würde der Wagen weiter sehr stark beschleunigen - wenn nicht meine Teststrecke zu ende wäre. Bremsen kann man den Wagen übrigens nur per Umkehrschub durch ändern der Drehrichtung des Motors. Durch die asymmetrische Blattform des Propellers ist der Umkehrschub aber so gering, dass der Wagen sich gerade so in Bewegung setzt. Die Bremswirkung ist also vernachlässigbar...

Einen Decoder habe ich nicht eingebaut, der Motor würde gerne 3A ziehen entsprechende Decoder teuer sind. Außerdem ist der Wagen mit dem frei laufenden Propeller und (durch die Vibrationen des Propellers und der starken Stromaufnahme des Motors) Funken sprühenden Räder absolut nicht Fremo-tauglich...

[vielleicht kommt hier mal noch ein Bild hin]

Fazit: Es ist einfach witzig, wie so ein kleines Ding beschleunigen kann, aber es konnten auch ein paar Informationen zum Umbau eines Märklin-Schienenzeppelins gesammelt werden. Dieser bekommt aber eine funktionsfähige Bremse...

Direkt angetriebene Radsätze

1942 wurden im BW Limburg ein paar alte Pwg pr 14 zu Akku-Kleinloks umgebaut. In Spur 1 gibt es ein passendes Modell, in H0 leider nicht. Also muss man selber basteln.

Beim Überlegung, wie so eine Kleinlok gebaut werden sein könnte, entschloss ich mich, einen direkten Riemen-Antrieb mit einem 6mm-Motor auszuprobieren. Hier erwiesen sich die Radsätze mit geteilter Achse wieder als vorteilhaft, weil die Muffe zum Verbinden der Stummel schon eine brauchbare Riemen"scheibe" mit 4mm Durchmesser ergibt. Zusammen mit der 0,8mm Motorwelle bekommt man so eine Übersetzung von 1:5. Als Riemen dient ein Märklin-Haftreifen, fragt mich aber nicht nach der Bestellnummer - mein Händler hat mir einfach passende aus einer der "magischen Kisten" gegeben.

Versuchslok.jpg

Der große Ventilatormotor wurde einfach abgelötet und stattdessen der kleine 6mm-Motor angeschlosen. Das ergibt schon relativ gute Fahreigenschaften mit völlig überhöhter Endgeschwindigkeit (kein Wunder, der Motor ist für 3-6V). Auch ein paar Güterwagen werden problemlos bewegt obwohl nur eine Achse angetrieben ist. Wenn man den Trafo ordentlich aufdreht, bringt man die angetriebene Achse auch zum Schleudern.

Für das endgültige Modell werden zwei Motoren in Reihe vorgesehen, evtl. mit einem Vorwiderstand um die Stromaufnahme zu begrenzen. Mir fehlt aber noch ein Modell, aus dem die Kleinlok gebaut werden soll. Vorschläge sind willkommen.

MatthiasK

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