Epochenwechsel

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Vorbemerkung

Mittlerweile hat es sich beim Fremo eingebürgert, über den Verlauf des Treffens einen "schleichenden Epochenwechsel" durchzuführen. Solche Treffen beginnen dann meist mit reinem Epoche-3-Fahrzeugpark, der dann nach und nach modernisiert wird, um am Ende in der späten Epoche 4 angekommen zu sein.

Sinn der Übung ist es natürlich, den Anhängern aller Epochen Gelegenheit zu geben, ihre Lieblingsfahrzeuge einzusetzen oder zu beobachten.

Was bei kleinen Treffen und bei Lok und Reisezügen schon ganz gut klappt, führt beim Güterwagenpark auf Großtreffen aber regelmäßig ins Chaos. Dieser Artikel will helfen, das Chaos zu besiegen, indem er ein paar einfache Kriterien vorschlägt, an denen man sich bei harten Schnitten zwischen den Sessions orientieren kann.

Natürlich kann man das, wenn genug passende Fahrzeuge und interessierte Mitspieler da sind, auch härter handhaben. Dieser Vorschlag versteht sich als ein erstrebenswertes Minimum. Ergänzungen und Anmerkungen, auch zu anderen Bahngesellschaften als der hier behandelten DB, sind hochwillkommen! Bitte nutzt dafür aber E-Mail und/oder die Diskussions-Seite zu dieser hier, damit es nicht in einen Edit-War ausartet ;-)


Kriterien für Epochenschnitte

Eins vorweg: Nein, das offensichtliche Kriterium "Epoche-4-Nummer" taugt bei Güterwagen m.E. nichts. Denn erstens zog sich deren Einführung hin, und zweitens änderte sich der Wagenpark in den Jahren davor und danach dramatischer -- und falsche Wagen sind viel störender als falsche Nummern!


Überblick

--Epoche 3a-----|            |----Epoche 3c----|               |---Epoche 4b---
               |-----Epoche 3b------|       |-------Epoche 4a---------|
1950===52===54===56===58===60===62===64===66===68===70===72===74===76===78===80
           1. Schnitt          2. Schnitt                       3. Schnitt

Die Schnitte und die Epochengrenzen sind in diesem Zeitstrahl bewußt unscharf markiert. Auf ein paar Jahre soll es ausdrücklich nicht ankommen, wichtig ist das generelle Erscheinungsbild mehr als die Betriebszeiträume einzelner Fahrzeuge.

Hinweis: Die Epochen wie oben angegeben entsprechen nicht dem Gebrauch der NEM, die insbesondere keine Epoche 3c kennt. Über die genauen Grenzen der Epochen brauchen wir nicht zu diskutieren, sie dienen nur als Anhaltspunkt. Was ich vorschlagen will, sind die im Folgenden beschriebenen Faustregeln.


Ausgangszustand: Epoche 3a

Lok: Keine Dreilicht-Spitzensignale, nur ganz vereinzelte Neubau- und Neubaukessel-Dampflok, keine 50 kab, nur vereinzelte V 200.0.

Reisezugwagen: Flaschengrün, keine Klassenreform, keine 1.-Klasse-Streifen, nur vereinzelte dreiachsige Umbauwagen, nur Altbauwagen außer im hochwertigen Hauptbahnverkehr.

Güterwagen: Epoche-3a- und -3b-Anschriften gemischt, wenig Neubauwagen (und die bevorzugt mit Bretterwänden), keine Umbauwagen, keine Schiebewandwagen, Altbauwagen (und hier Verbandsbauart) bei weitem überwiegend.

Hinweis: Dieser Stand ist mit dem im Fremo vorhandenen Material u.U. nicht zu machen. Dann ist es m.E. besser, ihn wegzulassen und gleich mit dem folgenden zu beginnen; dann sind einzelne Anachronismen wie Zwelichtsignal, 3.-Klasse-Wagen oder Brit-US-Zone-Anschriften anfangs m.E. tolerierbar, sollten dann aber schon vor dem nächsten Schnitt möglichst verschwinden.


Erster Schnitt: Epoche 3b bis 3c

Grundsätzlich: Noch keine Epoche-4-Anschriften, nirgends!

Lok: Dreilicht-Spitzensignal kommt in Verkehr, DB-Keks wird häufiger. Erste V 100.10 kommen auf, noch keine V 160, vereinzelt erste V 200.1, Dampflok deutlich in der Überzahl.

Reisezugwagen: Flaschengrün überwiegt noch, chromoxidgrün kommt auf. Keine Vor-Klassenreform-Wagen mehr. Keine Silberlinge, keine vierachigen Umbauwagen, Altbauwagen noch in der Überzahl.

Güterwagen: Epoche-3-Anschriften, keine Epoche 3a (DR Brit-US-Zone etc) mehr, Übergangsbeschriftung (z.B. Ucs-54 Kds) kommt auf. Keine Schiebewandwagen, Altbauwagen allgemein in der Überzahl (außer bei neuen Gattungen und z.B. Omm und Gl, die von der DB früh in großen Mengen beschafft wurden).


Zweiter Schnitt: Epoche 3c bis 4a

Grundsätzlich: Computernummern ab hier zulässig.

Lok: Dreilicht-Spitzensignal ist Pflicht, Kriegslok und Länderbahnlok verschwinden mit den üblichen preußischen Ausnahmen, V 100 und V 160 kommen in Verkehr, vereinzelt werden auch schon die ersten V 90 gesichtet. Aber Dampf ist noch alles andere als tot!

Reisezugwagen: Wagen mit Holzwagenkasten müssen runter, 4yg und Silberlinge kommen in Verkehr, 1.-Klasse-Streifen sind Pflicht, Popwagen erst gegen Ende und bitte nicht im Übermaß. Im höherwertigen Verkehr keine Altbauwagen mehr.

Güterwagen: Alle Länderbahn- und die meisten Verbands- und Austauschbauwagen, vor allem alle Altbau-V-Wagen, sollten verschwinden. Aber auch auf Neubauwagen noch keine DB-Kekse, und Bremsecken sind Pflicht.


Dritter Schnitt: Epoche 4a bis 4b

Grundsätzlich endet die Gnadenfrist für die letzten Epoche-3-Anschriften. Das war beim Vorbild schon zu einem früheren Zeitpunkt so, aber dieser Schnitt ist wegen der anderen großen Änderungen ab Mitte der 70er Jahre trotzdem an dieser Stelle sinnvoll. Zwei Schnitte mit nur wenigen Jahren Abstand brauchen wir nicht.

Lok: Ende der Dampfzeit.

Reisezugwagen: Blau-Beige kommt in Verkehr, aber alte Farben sind noch in der Überzahl. Altbauwagen sollten mit ganz ganz wenigen Ausnahmen runter.

Güterwagen: Ab hier dürfen auch Wagen mit DB-Keks und ohne Bremsecken in Verkehr kommen. Alle genieteten Bauarten sollten runter.


Erfahrungen

Kritik aus Cloppenburg 2010

Auf dem Fremo-Himmelfahrtstreffen 2010 in Cloppenburg haben wir mal versucht, diesen Epochenwechsel (ohne Epoche 3a am Anfang) umzusetzen. Die Erfahrungen dabei:

  • Grundsätzlich war es schon schön. Die Anachronismen in den Zügen hielten sich sehr in Grenzen, das Rollmaterial wirkte zu jeder Zeit in sich stimmig.
  • Ganz durchhalten ließ sich das Konzept allerdings nicht. Die aus meiner Sicht auffälligsten Abweichungen waren:
    • Epoche-3-Güterwagen neuerer Bauarten liefen bis zum Schluß durch und damit auch zusammen mit ozeanblau/beigem Material. Der Grund war Wagenmangel.
    • Die Dampfzeit endete zu plötzlich. Kaum war Epoche 4 erlaubt, schon standen auf der Hauptbahn praktisch nur noch V 100, V 160 und V 200 in ihren diversen Versionen vor den Zügen. Klar hatten wir kaum Epoche-4-Dampflok, aber altbeschriftete hätten es ja auch getan, wenn es bei den Wagen ging.
  • Es gab aus mehreren Richtungen herbe Kritik. Die wesentlichen Kritikpunkte waren:
    • Bei "normalen" Treffen ist nach 1-2 Sessions die Spreu vom Weizen getrennt und nur noch gut laufendes Material auf dem Arrangement. Hier kam mit jedem Epochenwechsel neuer Schrott in den Verkehr.
    • Die Arbeitsbelastung gerade für die Schattenbahnhofspersonale war extrem hoch.
    • Der Wechsel zu Epoche 4 kam zu spät. Von vielen Epoche-4-Freunden war zu hören, daß sie für 1-2 Sessions ihr Material nicht mehr auspacken wollten.

Schlußbemerkung

Es ist klar, daß auch nach diesen Kriterien kleinere Anachronismen auftreten werden. Besonders werden die Epoche-3-Anschriften sehr viel länger im Betrieb zu sehen sein als beim Vorbild; wenn genug Wagen da sind, sollten die Schattenbahnhofs-Bediener natürlich auch vor dem 3. Schnitt schon keine solchen mehr in Verkehr bringen. Wie sie überhaupt nach Möglichkeit darauf achten sollten, je näher der nächste Schnitt kommt, desto weniger Fahrzeuge in Verkehr zu bringen, die dann eh wieder runtermüssen.

Eine Verschärfung dieser Kriterien ist sicher möglich und wünschenswert, und auf kleineren Treffen sollte man diese auch anstreben; es geht hier zunächst aber nur darum, wenigstens diesen Mindeststandard auf allen Treffen einzuführen, um vom spielbahnigen Vh-14-hinter-der-blaubeigen-212 wegzukommen.

Wobei natürlich je nach Treffen auch die vorgeschlagenen Schnitte verschoben werden können. Festgemeißelt ist hier gar nichts, aber etwas muß m.E. passieren, wenn wir des Chaos' Herr werden wollen.

Meinungen etc., wie gesagt, willkommen!


Vorlage: Ermel 13:40, 15. Mär. 2010 (UTC)

Letzte inhaltliche Änderung: Ermel 07:25, 17. Mai 2010 (UTC)