Epoche-3-Käfer

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Beklagt hatte ich es ja schon lange und oft: es gibt in H0 kein einziges brauchbares Modell eines VW-Käfers vor Modelljahr 1965. Alle Hersteller, und das sind inzwischen nicht wenige, folgen Wikings unglücklichem Vorbild und machen die Seitenfenster zu groß. Nun könnte ich natürlich einfach weitermachen mit dem Beklagen, aber davon krieg ich auch keine Käfer. Also lautet der Beschluß, daß man da was machen muß.

Vorwarnung: nein, perfekte Modelle entstehen durch diesen Umbau nicht, nur brauchbare. Vielleicht erbarmt sich ja doch nochmal ein Hersteller und bringt endlich einen Käfer der Modelljahre 57..64 auf dem aktuellen Stand der Modelltechnik? Bis dahin werden es meine wohl tun müssen ... ;-)

Hat sich aber erledigt!

Denn leider ist das vorgesehene Ausgangsmodell an einer zwar unscheinbaren, aber für mich jetzt, wo ich es gemerkt habe, entscheidenden Stelle falsch. Man vergleiche bitte:

kaefer-brekwik.jpg

Links Brekina, rechts der alte Wiking-Brezelkäfer. Entscheidend ist die zarte Wölbung in Tür und Seitenteilen unterhalb der Fenster, auf Höhe der Zierleiste. Die hat Wiking sehr schön nachgebildet (wie auch sonst alle Proportionen, Wölbungen, Sicken und Kanten perfekt passen, wenn nur die Riesen-Fenster nicht wären und die klobigen Stoßstangen!). Bei Brekina hingegen ist die Tür einfach platt, als hätten sie sie damals in Wolfsburg auf der Abkantbank gebaut. Bäh!

Bitte: der Brekina-Käfer ist deswegen kein Müll. Aber als Basis für einen so aufwendigen Umbau wie im Folgenden beschrieben hat er sich damit disqualifiziert, leider.

Was also tun?

kaefer-fenster-roh.jpg

Naja... :-)

Ende der Durchsage. Kommen wir zurück zum bisherigen Artikel:

Das Ausgangsmodell

...ist, vielleicht unerwartet, der Brekina-Käfer. Der stellt ja bekanntlich einen VW 1200 der Modelljahre 65/66 oder, in der Version mit den flachen Radkappen, einen 66er VW 1300 dar. Wir brauchen die erstgenannte Version, die Brekina aber auch erheblich häufiger liefert. Ganz früher gab's auch Brekina-Käfer ohne die charakteristische eingeprägte "Nase" über dem hinteren Kennzeichen; das sind am ehesten 67er VW 1300A und zum Älterfrokeln nicht zu gebrauchen.

Der Grund für die Wahl des Brekina-Modells ist einfach: da bei ihm die Verglasung und die Karosserie zusammengespritzt sind, liegen Seiten- und Heckfenster nahezu bündig mit der Karosserie. Das ist zwar bei den Seitenfenstern aus Vorbildsicht ein Nachteil, für den gezeigten Umbau aber Bedingung.

Altern mal anders

Vor 1965: Fenster zu Sehschlitzen

Nein, ganz so extrem wird's natürlich nicht, aber der Unterschied zwischen modernen Käfern und den sogenannten "Dickholmern" von vor 65 ist schon recht augenfällig. Nach langem Gegrübel, wie man den im Modell umsetzen könnte, kam mir irgendwann mal beim Brekina-Käfer-Ummalen der Gedanke, einfach einen Teil der Seiten- und Heckfenster mitzulackieren. Das funktioniert natürlich nicht so ohne weiteres, denn zum einen wird's nicht sauber genug, und zum anderen bleibt leider besonders an den jeweiligen Oberkanten der Fenster der Absatz, wo die ursprüngliche Scheibe endet, allzu deutlich sichtbar. Da wird man also spachteln müssen. Direkt neben der nicht demontierbaren Fensterscheibe. Grusel ...

Die Lösung ist eigentlich ganz simpel: Abkleben. Und zwar nicht frei Schnauze, sondern mit lasergeschnittenen Abklebeflächen, deren Abmessungen exakt 1:87 den Fenstergrößen eines Dickholmer-Käfers entsprechen. Die sind indes noch nicht fertig, aber es findet sich bestimmt irgendwo bald mal ein Vorbildkäfer zum Maßnehmen und Fotografieren ...

Die Verarbeitung sollte dann eigentlich recht simpel sein: Abklebeflächen auf die Fenster, bißchen spachteln und schleifen, Farbe drüber, fertig. Schon sollte ein glaubwürdiges Modell eines 1964er Dickholmers vor uns stehen.

Ach, 1964 ist nicht alt genug? Kein Problem: einfach weiterlesen!

Vor 1964: Schmale vordere Blinker

Genaugenommen müßte man sie vermutlich neubauen, aber m.E. reicht's auch, einfach kurz die Trennscheibe seitlich an die Brekina-Blinker zu halten, bevor man sie neu lackiert. *rääng* Und schon taugt das Modell auch für 1963.

Vor 1963: Kleinere Kennzeichenbeleuchtungsnase

Dasselbe Prinzip wie bei den Blinkern greift auch beim Gehäuse der hinteren Kennzeichenbeleuchtung. Das niedliche runde Näschen der Modelljahre bis 62 ging zwar beim Vorbild auch mit einer leicht anders geformten Haube mit weiter heruntergezogenen Sicken an der Einprägung einher, aber so genau kuckt im Modell keiner, daß man das nicht einfach mit ein wenig Geschabe andeuten könnte.

Vor 1961: Einkammer-Rückleuchten

Mittlerweile sollten wir ja Übung darin haben, diverse Vorsprünge der Käferkarosserie kleiner zu machen. Diesmal sind die Rückleuchten dran.

Achtung: die Rückleuchten sitzen bei Käfern mit Export-Bügelstoßstange deutlich höher als bei Käfern ohne dieselbe. (Das ist zwar auch bei den späteren Zweikammer-Rückleuchten so, aber da sieht man es nur, wenn am selben Auto ein Export- und ein Normalkotflügel verbaut sind. Woher ich das weiß? Rate mal ...)

Vor 1960: Winker statt Blinkern

Auch diese Änderung ist vergleichsweise simpel: die vorderen Blinker müssen eben ganz weg, und stattdessen wird an der B-Säule der Winker angedeutet. Da der beim Vorbild außen wagenfarben lackiert war, sieht man ihn im Modell eigentlich kaum. Aber man könnt ja auch mal einen mit ausgeklapptem Winker bauen (und dann irgendwo abbiegebereit aufstellen) ...

Vor 1958: Ab hier ist Aufwand

Vor dem 58er Modelljahr hatten Käfer noch das kleine ovale Heckfenster, eine völlig andere Motorhaube und eine kleinere Windschutzscheibe. Das auf dieser Basis zu verwirklichen, ist schon richtig Aufwand; trotzdem wird es mangels brauchbarer Alternativen irgendwann passieren müssen, genau wie der Bau von Brezelkäfern (vor 1953).


Detailgepinsel

Unabhängig vom darzustellenden Modelljahr sind alle Brekina-Käfer (wie auch die meisten anderen Modellautos) dankbar für ein paar kleine Pinselstriche, die das Modell erheblich aufwerten.

Schlußleuchten

Am auffälligsten ist sicherlich die korrekte Farbgebung der Schlußleuchten. Die schwarze Gummidichtung zwischen Kotflügel und Schlußlichtgehäuse kann man m.E. auch weglassen, aber das Glas und der darunterliegende Chromring müssen schon sein. Dazu malt man erst etwa die Hälfte des Schlußlichts glänzend-silbrig an und pinselt anschließend das Glas mit transparent-roter bzw. -oranger Farbe an. Dadurch wird das Ergebnis eben transparenter als mit deckend roter/oranger Farbe, außerdem kann man den Chromring gleich stehenlassen.

Blinker

Bei Brekina sehen die vorderen Blinker etwas seltsam aus. Fast scheint es, als habe man die Verglasung einsetzen wollen, diese Teile dann aber später aus Kostengründen weggelassen. Ein Klecks Spachtelmasse oder irgendein anderes dickflüssiges, aushärtendes Pampf behebt das Problem; Lackierung wie bei den Rückleuchten. Achtung: USA-Modelle vor 1961 und Italien-Modelle hatten vorn weiße Blinker!

Chromzierrat

Mit Sicherheit am meisten Aufwand, wenn's ordentlich werden soll, macht der ganze Chrom. Davon hat so'n oller Käfer eine ganze Menge: Zierleisten an den Seiten unter den Fenstern, an den Trittbrettern und vorn auf der Haube; Griffe an beiden Türen und beiden Hauben; Zierringe an Scheinwerfern und Schlußlichtern; Zierrahmen um alle Scheiben, jeweils in eine schwarze Gummidichtung eingezogen; Stoßstangen nebst Hörnern und ggf. Exportbügeln; Hupenziergitter unten innen in den vorderen Kotflügeln; Radkappen.

Wer sich das weitgehend sparen will, der baue eben wie ich als erstes einen Standard. Die waren entweder schwarz, mausgrau oder postgelb ;-) und nahezu so schlicht und freudlos gestaltet wie ein neuer Corsa.

Felgen

Typisch für alte Käfer waren ihre zweifarbig lackierten Felgen. Hier gilt der Grundsatz: ab 1963 (IIRC) innen schwarz und außen weiß, davor innen wagenfarbig (außer bei weißen und sonst sehr hellfarbigen Käfern, dort schwarz) und außen entweder weiß oder in einem passenden hellen Ton; bei Standards innen rot (passend zum auflackierten Zierstreifen an der Gürtellinie) und außen wagenfarbig; bei Behördenautos (Post, Feuerwehr, m.E. auch Polizei) Felgen einfarbig schwarz, bei Post mit wagenfarbigen Radkappen. Und wie immer: es gibt Ausnahmen ...

Interieur

Eigentlich waren Käferinnenräume damals fast alle hellgrau: Polster, Tür- und Seitenverkleidungen, Dachhimmel incl. Verkleidung um die Heck- und hinteren Seitenscheiben. Die Türscheibenrahmen, der Frontscheibenrahmen und das Armaturenbrett gehören wagenfarbig, das Lenkrad bis 65 weiß, bei Standard schwarz. Weitere Details wird man durch die kleinen Fenster wohl kaum ausmachen können. Aber Brekinas Innenraum-Hornhautumbra ist für Modelle vor 66 m.E. fast immer falsch.


Detailfrokeleien

Ansonsten gibt's am Brekina-Käfer erfreulicherweise nicht viel zu verbessern; immerhin ist er zusammen mit AWMs 1302 und Wikings neuem 1303 in der Spitzengruppe der H0-Käfermodelle (und dafür zumindest in der Economy-Version zu 5 Euro erstaunlich preiswert). Ein bißchen was ist mir aber doch noch eingefallen:

Außenspiegel

Der war damals geradezu verschwindend klein und am oberen Türscharnier befestigt. Der Nachbau aus einem Draht und einem drangelöteten Blechfitzelchen (wegen der Stabilität) gibt keine großen Rätsel auf. Einen rechten Außenspiegel kann man sich sparen, das war damals sehr unüblich, wenn überhaupt lieferbar -- und gerade beim alten Käferspiegel auch sinnlos, weil man den rechten, so er genauso montiert ist wie der linke, vom Fahrersitz aus eh nicht sehen kann. Gar nicht. (Das hab ich erst nach dem Nachrüsten in 1:1 bemerkt. Seufz.)

Hintere Kotflügel

M.E. sind Brekinas hintere Kotflügel ein wenig schwindsüchtig im hinteren Teil. Ob es was bringt, die aufzuspachteln, wird erst ein Versuch zeigen können.

Scheibenwischer

Da hab ich noch keine brauchbare Idee zu. Aber ich hab ja auch noch ein weig Zeit, bis meine Käfer soweit sind ...


Verbleibende Fehler

Was sich aus technischen Gründen leider nicht ändern läßt, ist der schräg stehende Steg des vorderen Ausstellfensters in der Tür. Der ist für Brekinas Vorbild völlig korrekt (sollte aber verchromt sein und nicht wagenfarbig), für Dickholmer müßte er aber senkrecht stehen. Das kann ich aber akzeptieren.

Das Türfenster sitzt nach wie vor zu weit außen, auch das ist technisch bedingt und nicht mit vertretbarem Aufwand zu beheben.

Die Windschutzscheibe müßte eigentlich auch für Dickholmer schon verkleinert werden und nicht erst, wie oben erwähnt, für Ovalis und frühere. Aufgrund des Aufwands (Anpassen der Dachform im vorderen Bereich) habe ich darauf verzichtet.


Fazit

Elendes Gefrokel, das. Gar keine Frage. Aber einen einfacheren Weg, an einigermaßen überzeugende Epoche-3-Käfer zu kommen, seh ich leider nicht. Und deswegen wird mein Ganzzug aus Off-Wagen auf das entsprechende Ladegut wohl auch weiterhin vergeblich warten. Liebe Industrie: ich wäre wirklich nicht böse, wenn diese Seite dereinst mal überflüssig werden sollte! ;-)


Fortsetzung folgt.