Der Anti-Heile-Welt-Bahnof

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Erst mal eine Klarstellung: Ich habe nicht wirklich vor, diesen Bahnhof zu bauen (zumindest noch nicht ;-)). Dies ist nur das Resultat des Frusts, den man bekommt, wenn man die Realität mit Modellbahn-Bildern voller Epoche-III-Heile-Welt-Heuchelei sieht.

Die Idee

Der Bahnhof soll so einen ehemaligen Heuchelbahnhof darstellen, der in der (vielleicht minimal überspitzen) Realität des 21. Jahrhunderts angekommen ist. Natürlich gab es in der Zwischenzeit einige Veränderungen:

Politische Veränderungen

  • ehemaliger Abzweigbahnhof irgendwo in der Pampa, aber das Dorf gehört heute zu einer Großstadt

Veränderungen im Verkehr

  • die Nebenstrecke endet nach wenigen Metern hinter der festgelegten Abzweigweiche im Sekundärwald, nicht einmal als Radweg wird die Strecke noch gebraucht
  • Der Güterverkehr auf der Strecke ist fast vollständig zum Erliegen gekommen, die Strecke wird aber noch gelegentlich von privaten EVU als Ausweichroute genutzt
  • Der Personenverkehr wird teilweise von einem privatem EVU geleistet

Veränderungen im Bahnhof direkt

  • Den ehemaligen Güterschuppen teilen sich DB-Netz und eine Disko
  • Die Ladestraße und das kleine BW wurden verkauft, das BW ist fast vollständig "zurückgebaut", der Rest wird von der DB-Netz genutzt.
  • Die Nebengleise sind fast vollständig stillgelegt
  • Der ESTW-Bunker ist noch nicht ganz fertig, er steht mitten auf ein paar stillgelegten Nebengleisen
  • Die übrigen stillgelegten Nebengleise werden, sofern noch in Reichweite des Rottenkraftwagens, als Materiallager verwendet.
  • Das alte mechanische Stellwerk im EG ist noch vorhanden und wird auch noch für Zugkreuzungen und gelegentliche Übergaben benutzt

Gesellschaftliche Veränderungen

  • Unter den meisten Fenstern des EG hängt eine Sat-Schüssel, diese sind auf 2-3 verschiedene Sateliten ausgerichtet
  • Idee von Balsine: Und im ehemaligen Wirtschaftshof hinterm Bahnhofsklo wird ein Hammel geschächtet ;-)

Wirtschaftliche Veränderungen

  • Von den Anschließern existiert noch einer
  • In der Bahnhofsgaststätte ist heute ein Döner-Laden
  • Im ehem. Hotel, neben dem EG, ist heute, äh, naja, Zutritt erst ab 18 Jahren


Vorbilder

Lieblos

Letzter Unterwegsbahnhof auf der Strecke Gießen-Gelnhausen ist der Bahnhof Lieblos und macht seinem Namen wohl recht viel Ehre. Eine sonderbare Mischung von Neu und Alt kann man dort sehen. Die Strecke wurde bereits etwa 1870 eröffnet und sollte die Orient-Bahn im wahrsten Sinne complettieren, blieb aber mangels Fortsetzung über den Spessart hinaus immer nur von lokaler Bedeutung. Und der Bahnhof Lieblos hatte auf dieser untergeordneten Strecke wahrlich keine herausragende Bedeutung. Aber immerhin, zwei Hauptgleise gab es, und als Ende der siebziger Jahre das SpDrL60-Zentralstellwerk im nahen Gelnhausen gebaut wurde, hat man diese Betriebsstelle nicht plattgemacht, sondern als ferngestellten Bahnhof angeschlossen. Es gab nämlich noch einen Gleisanschluß zur Firma WIBAU in Rothenbergen zu bedienen, und die in Gelnhausen stationierten Truppenteile der US-Armee führte gelegentlich Panzerverladungen durch. Am Anschlußgleis gab es, wenn ich mich recht erinnere, auch einen Nebenanschluß der Firma MÖBEL WALTHER.

       ||       EG         Spielhölle    Fabrikruine
       ||Po       Bahnsteig
__<_>__||_________________<_1_>_____________________<_>_
Gießen ||   __._\_________<_2_>_________/__   Gelnhausen
       ||  /
          /
...______/
WIBAU

Eisenbahntechnisch bemerkenswert ist der Bahnübergang der Bundesstraße 457. Dort gibt es immer noch eine von Hand gekurbelte Schranke mit vier riesig langen Bäumen, denn der Straße kreuzt die Bahn in einem spitzen Winkel. Die Schranke ist voll signalabhängig; bevor der Wärter nicht aus seinem Aufenthaltsraum im EG zur Postenbude gelaufen ist und die Schranken geschlossen hat, gibt das SpDrL60-Stellwerk kein Signal frei. Der Bahnübergang ist sogar auf beiden Seiten durch Zwergsperrsignale gegen Rangierfahrten gedeckt.

Inzwischen sind Anschlußgleis und Gleis 2 gesperrt. Auf Gleis 1 fahren die GTW4/6-Triebwagen der Hessischen Landesbahn, Betriebsteil Butzbach-Licher Eisenbahn (BLE) im Personenverkehr und halten am Bahnsteig. Gelegentlich kommt DB Cargo mit Holzzügen oder Militärtransporten aus Büdingen hier durch.

Ansonsten wird die Szenerie durch eine auf dem Gelände der Ladestraße neu errichtete Spielhölle belebt, deren Schaufenster komplett zugeklebt sind. Reste der Ladegleise erkennt man nicht mehr. In Verlängerung der Ladestraße ist ein Fabrikgelände, da stand mal ein Sägewerk, oder war es eine Ziegelei?

Sogar ins Internet geschafft hat es das Bahnhöfchen.

  • Jörg Dell zeigt bei Drehscheibe Online Bilder aus den 80ern. Leider waren die Bilder bei einem kostenlosen Hoster untergebracht und sind im digitalen Nirwana untergegangen.
  • Google Maps hat ein liebloses Luftbild, man erkennt gut die achteckige Spielhölle.

Bonjour Tristesse, ich sollte mal an einem Winternachmittig losziehen und die Stimmung einfangen, solange es die Schranke mit dem lieblosen Postenhäuschen und dem lieblosen flachen Empfangsgebäude neben der lieblosen Spielhölle noch gibt, bevor sie einer noch liebloseren Welt Platz machen müssen. Nachtrag: Heute fuhr ich achtlos zur Uni durch Lieblos; was ich sah, war trostlos. Die beiden Weichen im durchgehenden Hauptgleis sind herausgerissen, Schwellen davon liegen auf der ehemaligen Ladestraße. Die Signale am Überholungsgleis sind verschwunden, sie wurden rücksichtslos neben den Schwellenstapel geworfen. Im Überholgleis fehlen schon einige Meter Schienen, da scheint sich jemand schadlos gehalten zu haben. Weichenlos wäre Lieblos dann seinen Status als Bahnhof eigentlich auch los.

Balsine