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Bestandsaufnahme

Der Wunsch nach einem Modell der Baureihe E44.5 in zeitgemäßer Ausführung wurde inzwischen von Liliput erhört. Dort wurde ein Modell nach dem Vorbild der ersten Bauserie herausgebracht. Die zweite Bauserie zeigt dagegen ein deutlich abweichendes Äußeres: Charakteristisch sind vor allem der filigrane außen sichtbare Langträger und die Drehgestelle.

Ein Modell nach diesem Vorbild gibt es bereits seit 'Urzeiten' von Roco. Es entspricht in einigen Punkten nicht mehr dem heutigen Stand, jedoch ist die Gravur des Gehäuses und der Drehgestelle immer noch vorzeigbar. So reifte der Entschluß, ein solches Modell zu modernisieren. Also wurde ein solches Modell gebraucht erworben und näher untersucht. Wesentliche Kritikpunkte waren:

  • angeformte Griffstangen und fehlende Führerhausauftritte,
  • blinde Führerstandsverglasung,
  • gut sichtbare, aber hässliche Räder,
  • mangelhafte Laufeigenschaften,
  • zu große Lampen.

Um diese Punkte zu verbessern, habe ich Veränderungen in den folgenden Punkten vorgenommen:

  • Technik:
    • Antrieb
    • Digitalisierung
    • Beleuchtung
  • Optik:
    • Neue Räder
    • Lampen
    • Stromabnehmer
    • Führerstandsfenster
    • Beschriftung.

Antrieb

Zunächst wenden wir uns den inneren Werten zu. Im Originalzustand weist das Modell einen knarzenden uralt-Motor ohne Schwungmasse auf, dessen Kraft mittels Schraubenfedern auf die Drehgestelle übertragen wird. Dieser Antrieb läuft relativ laut und neigt zu Zuckungen in Längsrichtung. Ich habe daher den Motor gegen einen Faulhabermotor mit Schwungmasse ausgetauscht. Die Verwendung eines Umbausatzes von SB-Modellbau geht problemlos von der Hand.

Die Schraubenfedern werden ausrangiert. Statt dessen werden auf die Motorwellen und auf die Antriebswellen der Drehgestell-Getriebe Kardankugeln von einer Roco-E17 (erhältlich als Ersatzteile) aufgesteckt. Die Verbindung kann mit den ebenfalls als Ersatzteil erhältlichen Kardanwellen erfolgen, jedoch muss man dann Wellen in der richtigen Länge beschaffen. Ich habe solche Wellen aus einfachen Trinkhalmen gefertigt. Dazu werden von diesen mit der Kleinbohrmaschine mit eingespannter Trennscheibe zunächst Stücke passender Länge abgeschnitten. Anschließend werden an den Enden ebenfalls mit der Trennscheibe Nuten eingearbeitet, die die Mitnehmer der Kardankugeln aufnehmen. Die üblichen Streifen des Trinkhalms können dabei genutzt werden, um den notwendigen Versatz um 90 Grad herzustellen. Wenn man darauf achtet, dass die Nuten keinesfalls breiter als nötig werden, entsteht eine zuverlässige Verbindung, die für das geringe Drehmoment völlig ausreichend ist.

Radsätze

Die Radsätze sind mit Sicherheit der optische Tiefpunkt des Basismodells. Das ist bei der E44.5 besonders schade, weil man sie durch die filigranen Drehgestelle in der Seitenansicht sehr gut sehen kann. Ich habe meinem Modell daher passend gefertigte Tauschradsätze von Holger Gräler gegönnt. Die Radsätze wurden fix und fertig lackiert und mit aufgezogenen Zahnrädern geliefert und verhelfen dem Modell zu 'schönen Beinen'. Auf dem nachfolgenden Bild sind sie gut erkennbar.

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Gehäuse, Lampen und Beleuchtung

Um die Optik des Gehäuses anzugehen, wird es zunächst von allen Anbauteilen befreit. Mit einem kleinen Fräser und einer ruhigen Hand werden die Nachbildungen der Griffstangen und die unteren Frontlampen möglichst plan abgefräst. Bei den Griffstangen ist besonders sorgfältig zu arbeiten, da dort eine Nacharbeit mit Schleifpapier kaum möglich ist. Ferner wird die im Bereich des Rahmens angegossene oberste Trittstufe ebenfalls beseitigt; Dabei sollte der erhabene Rand des Rahmens stehen bleiben. Außerdem werden noch der Gußgrat in der Mitte des Daches geglättet und die Bohrungen für die zu groben Pfeifen mit Spachtelmasse verschlossen.

Nach Abschluß der Fräs- und Schleifarbeiten werden die Löcher zur Aufnahme neuer Griffstangen von der aktuellen Roco-144 gebohrt. Diese sollten so tief wie möglich angebracht werden, damit die oberste Stufe unterhalb der Rahmenschräge zu liegen kommen kann.

Nun werden neue Lampen von Weinert montiert. Ich habe dazu die nicht für Beleuchtung vorgesehenen Lampen verwendet, die etwas kleiner sind als die beleuchteten. Um sie trotzdem beleuchten zu können, werden sie von vorne mit genau zum Lampenring passendem Durchmesser aufgebohrt, mit Zweikomponentenkleber montiert und die Bohrung nach dem Trocknen durch das Gehäuse weitergeführt. In alle drei Lampen wurden Kamin-LED mit Durchmesser von 2mm eingesetzt, deren Kamin mit der Feile im Durchmesser noch verkleinert wurde. Leider gibt es Kamin-LED (noch) nicht in warmweiß, so dass sie hier in gelb leuchten.

An der Lokfront habe ich noch gekröpfte Schlußscheibenhalter angebracht. Meine sind aus Kunststoff und stammen als Ersatzteil von einer Piko-104, in gleicher Weise können natürlich auch die einschlägigen Teile von Weinert angebracht werden. Vor der Lackierung werden auf der Oberseite der Pufferbohle noch Details aus Draht und dünnem Blech angebracht und eine Heizkupplung ergänzt.

Digitalisierung

Da nach dem Motortausch und dem Austausch der Beleuchtung ohnehin eine Neuverkabelung ansteht, ist der Einbau eines Decoders ein Kinderspiel, zumal im Inneren nach dem Ausbau der originalen Platine genügend Platz vorhanden ist. Ich habe einen Decoder ohne 'Firlefanz' eingebaut, aber hier soll jeder seinen Vorlieben folgen. Lediglich sollte er zur Ansteuerung eines Faulhabermotors geeignet sein.

Stromabnehmer und Dach

Auf dem Dach habe ich zunächst von allen Trittbrettern den hochstehenden Steg abgefeilt, um sie optisch schmaler erscheinen zu lassen. Zudem wurden die Isolatoren durch solche von der aktuellen Roco-144 ersetzt und eine Dachleitung aus Draht ergänzt. Von Weinert stammen neue Pfeifen, die die Dachausrüstung vervollständigen.

Da (zumindest damals) keine passenden Stromabnehmer mit eigezogener Oberschere erhältlich waren, wurden diese selbst angefertigt. Dafür wurden die Unterscheren des Roco-SBS 9 verwendet und durch neue Oberscheren ergänzt, die aus einem Stück Profi-Fahrdraht von Sommerfeld ausgeschnitten wurden. Ein Hänger ergibt dabei die Querstrebe, Fahrdraht und Tragseil die beiden tragenden Arme. Diese verschweißten Stahldrähte bieten eine hervorragende Stabilität, die der ursprünglichen Oberschere nicht nachsteht.

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Oben wurden die Scheren in Doppelschleifstücke eingehängt, welche in meinem Fall von nicht mehr brauchbaren Lima-Stromabnehmern stammen. Einer der doppelten Federhalter wird noch so gebogen, dass er über die Querstrebe reichen und den Stromabnehmer so in der eingefahrenen Position fixieren kann. Wird die Oberschere noch vorsichtig mit dem Pinsel in Karminrot (RAL 3002) lackiert, ist der Pantograph fertig zum Einbau.

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Lackierung und Beschriftung

Die Lackierung erfolgt mit der Spritzpistole. Da das Gehäuse mit Dach und Rahmen aus einem Stück besteht, müssen die Teile jeweils abgeklebt werden. Aufgrund der zurückspringenden Formen ist das nicht sehr einfach; in jedem Fall kommt Maskol zum Einsatz. Ich habe zunächst den Kasten in grün (RAL 6002), danach den Rahmen in schwarz und das Dach in Silbergrau lackiert und abschließend mit einer weiteren dünnen Schicht Grün einige Unsauberkeiten ausgebessert. Natürlich erhalten die Drehgestelle ebenfalls einen schwarzen Farbüberzug. Mit dem Pinsel können dann Details wie Türgriffe, Elektrokästen und Bremshähne eingefärbt und die Lampen innen weiß ausgelegt werden. Nach Aufbringen der Beschriftung – in meinem Fall individuell angefertigte Decals von Andreas Nothaft – wird eine Schicht Mattlack aufgetragen.

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Führerstandsverglasung

Neben den Rädern wirkt auch die undurchsichtige Führerstandsverglasung nicht mehr zeitgemäß. Sie wurde daher durch geschnittene und passend gefeilte Fenster aus durchsichtigem Kunststoff ersetzt. Dabei können dann auch gleich noch filigrane Weinert-Scheibenwischer angebracht werden.

Da die Fenster nun durchsichtig sind, fällt das völlige Fehlen eines Führerstands nun auf. Also muss zumindest eine Führerstandsrückwand aus Polystyrol eingebaut werden. Außerdem muss der Führerstand nach unten hin ebenfalls durch ein Polystyrolplättchen abgeschlossen werden, damit das Licht der LED für die Frontbeleuchtung nicht auch den Führerstand erhellt.

Die blinden Fenster des Maschinenraums habe ich belassen; sie auszutauschen ist schwieriger, da der Motor keinen Einbauraum für eine Maschinenraumkulisse freilässt.

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Benutzer:Michael